Welthandelsorganisation WTO
Inhaltsverzeichnis
Entstehung
Die WTO entstand 1995 als Resultat der Uruguay-Runde des GATT (General Agreement on Tarif and Trade, *1948). Verglichen mit dem GATT reguliert die WTO viel mehr Bereiche und verfügt über mehr Macht. Sie beschränkt sich nicht mehr nur auf den Handel mit Industriegütern, sie beschäftigt sich auch mit Dienstleistungen, geistigem Eigentum, Textilien und Landwirtschaft.
Freihandel als Dogma
Die Politik der WTO beruht auf dem neoliberalen Credo, wonach der freie Handel Motor und Garant von Wirtschaftswachstum, Innovation und Wohlstand sei. Um schädlichen, protektionistischen Tendenzen vorzubeugen, müsse der Handel permanent liberalisiert werden - so, wie ein Fahrradfahrer dauernd in die Pedalen treten muss, um nicht umzufallen. Ziel de WTO ist es dehsalb, die Marktzöffnungen immer wieter vorwärts zu treiben und einen möglichst einheitlichen Weltmarkt zu schaffen.
Seit Seattle in der Krise
Seit der 3. Ministerkonferenz von Seattle (1999) sieht sich die WTO zunehmender Kritik ausgesetzt. Diese kommt einerseits von den Entwicklungsländern. Sie beklagen, dass die WTO bisher vor allem ein Instrument der Industrieländer war, um sich neue Märkte für ihre Konzerne zu erschliesssen. Mit der Liberalisierung der Märkte, der massiven Reduktion bzw. Abschaffung von Zöllen und anderen "Handelshemmnissen", aber auch dem Patentschutz hätten die Entwicklungsländer stark an wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum (policy space) verloren bzw. riskierten diesen mit neuen Liberalisierungen weiter zu verlieren. Seit Seattle ist auch eine breite, ziviligesellschaftliche Opposition gegen die WTO entstanden (Entwicklungs-, Bauern- und Umweltorganisationen, Gewerksdchaften und Basisorganisationen). Sie kritisieren die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen der Handelsliberalisierungen.
Doha-Runde in der Sackgasse
Im November 2001 fand in Doha (Katar) die 4. WTO-Ministerkonferenz statt. Den Industriestaaten gelang es dort mit viel Druck, den Start einer neuen, umfassenden Liberalisierungsrunde durchzusetzen. Um die Entwicklungsländer zur Zustimmung zu bewegen, versprach man, deren Anliegen ins Zentrum zu stellen - deshalb auch der Name "Entwicklungsrunde". Ursprünglich hätte sie so zentrale Themen wie Landwirtschaft, Industriegüter, Investitionen, Dienstleistungen, Wettbewerb und öffentliches Auftragswesen enthalten und bis Ende 2004 abgeschlossen sein sollen.
Soweit kam es allerdings nicht. Weder an der Ministerkonferenz von Cancun (2003) noch von Hongkong (2005) gelang es, die Verhandlungen vorwärts zu bringen. Im Sommer 2006 wurden die Verhandlungen offiziell als sistiert erklärt. Es rechnet niemand damit, dass sie vor den US-Wahlen vom November 2008 wieder richtig in Gang kommen.
Doppelte Krise
Die WTO steckt derzeit in einer tiefen, doppelten Krise:
- In einer politischen Krise, weil die grossen Handelsmächte unfähig sind, den Entwicklungsländern entgegenzukommen und die notwendigen Konzessionen zu machen.
- In einer institutionellen Krise: Es ist immer schwieriger, mit über 150 Mitgliedsländern, die teilweise sehr unterschiedliche Interessen vertreten, transparente und demokratische Verhandlungen zu führen. Die WTO ist heute ein "multipolares" Gebilde mit verschiedenen Interessenblöcken im Norden und im Süden. Die Entwicklungsländer haben seit 1999 stark an Gewicht gewonnen und sind nicht mehr bereit, Liberalisierungswünsche der Industrieländer einfach abzunicken.
Die Industrieländer, auch die Schweiz, versuchen diese Blockierung auf der multilateralen Ebene mit bilateralen Verhandlungen zu umgehen und sich so neue Märkte zu erschliessen. Sie versuchen, mit wirtschaftlich interessanten Ländern Handelsabkommen auszuhandeln, die über die WTO-Abmachungen hinausgehen.
Links Organisationen
South Centre
Das South Center mit Sitz in Genf wird von 42 Entwicklungsländern getragen. Seine Aufgabe ist die kritische Analyse und die Suche nach konkreten Lösungen für Probleme, die den Süden betreffen. Im Auftrag der G 77 (Gruppe der Entwicklungsländer) erstellt sie regelmässig Studien über verschiedene Themen, darunter WTO/Welthandel.
International Centre for Trade and Development
Das ICTSD mit Sitz in Genf liefert Informationen und Analysen zum Bereich Handel und Entwicklung und fördert den Austausch zwischen NGOs, Regierungen und internationalen Organisationen zum Thema Welthandel.
Third World Network
Das Third World Network mit Sitz in Malaysia und Büros in verschiedenen weiteren Ländern setzt sich fundiert und engagiert mit den wirtschaftlichen, sozialen und ökonomischen Folgen der Globalisierung im allgemeinen und der WTO-Politik und des internationalen Handels im speziellen auseinander.
German Watch
Die unabhängige deutsche Nord/Süd-Initiative GERMANWATCH setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung und gerechte Handelsbeziehungen ein.
Global Trade Watch
Global Trade Watch gehört zur US-amerikanischen KonsumentInnenorganisation “Public Citizen” und möchte die KonsumentInnen zu Fragen der Globalisierung und deren Auswirkungen auf die Gesundheit, Umwelt, Demokratie, Gerechtigkeit etc. informieren.
WTO
Die offizielle Website der WTO bietet eine Fülle von Informationen über die WTO-Aktivitäten, Termine, offizielle Dokumente, Studien von internationalen Organisationen und NGOs usw.
Kampagnen Schweiz
Erklärung von Bern
Die Erklärung von Bern arbeitet seit Jahren über Handelsfragen, insbesondere zur Frage der Patente (TRIPS) und den Handel mit Dienstleistungen GATS).
Alliance Sud / CH-Koordination gerechter Welthandel
Die Handelsbeziehungen sind ein Schwerpunkt in der Arbeit von Alliance Sud. Die gemeinsame entwicklungspolitische Organisation der grossen Hilfswerke betreut auch das Sekretariat der "Schweizer Koordination Gerechter Welthandel", der Entwicklungsorganisationen, Gewerkschaften, Umwelt- und Bauernverbände sowie KonsumentenInnenorganisationen angehören.
Krise der Doha-Runde
Joseph Stiglitz
Eine Analyse des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz zur Krise der WTO.
WTO-Schiffbruch als Chance
Analyse von Alliance Sud zum Scheitern der Doha-Verhandlungsrunde im Sommer 2006.
Why the WTO Doha Round Talks Have Collapsed – and a Path Forward
Beitrag von Lori Wallach und Deborah James von Public Citizen’s Global Trade Watch zum Scheitern der WTO-Doha-Runde und der Zukunft der WTO.
With Doha Round in Suspense, South-South Links Take Front Seat
Auch Luisa Bernal, Koordinatorin des Programms "Handel für Entwicklung" des South Centre, betrachtet die WTO-Krise als Chance.
Einzelbeiträge Handelsthemen
Macht Liberalisieren arme Länder reich?
Handelsliberalisierungen machen arme Länder reich. Das behaupten die Weltbank und andere Dogmatiker des Freihandels. Für Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, ist das ein "Märchen im Dienste der Reichen".

