Wasser - eine globale Herausforderung
80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern sind auf verschmutztes Wasser oder den Mangel an sanitären Anlagen zurückzuführen; täglich sterben deswegen 6’000 Menschen, vor allem Kinder.
Inhaltsverzeichnis
Schlüsselfaktor im Kampf gegen Armut
Wasser ist ein Schlüsselfaktor für die Erreichung der Millenniumsziele: Hunger, Armut und Krankheiten können nicht zurückgedrängt werden, wenn nicht alle Zugang zu sauberem Wasser und zu sanitären Anlagen haben. Fast 90 Prozent der durchfallbedingten Todesfälle bei Kindern (1,5 Millionen im Jahr) gehen auf fehlendes sauberes Trinkwasser, fehlende sanitäre Anlagen und mangelnde Hygiene zurück. Sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht, doch für Hunderte von Millionen von Menschen ist es noch immer ein Luxus oder gar ein unerreichbares Gut.
Recht auf Wasser bloss auf dem Papier
International ist längst anerkannt, dass jeder Mensch Anrecht auf täglich mindestens 20 Liter sauberes Wasser für den Konsum und die persönliche Grundhygiene hat. Doch über eine Milliarde Menschen muss mit weniger als fünf Litern pro Tag auskommen, die sie – oft auf stundenlangen Fussmärschen – aus verunreinigten Quellen beziehen. Zum Vergleich: In Schweizer Privathaushalten werden pro Kopf und Tag rund 160 Liter Leitungswasser verbraucht, davon 50 Liter allein für die Toilettenspülung. Derweil haben 2,6 Milliarden Menschen nicht einmal eine einfache Latrine zur Verfügung.
Verschmutzung und Verschwendung
Die Landwirtschaft verbraucht rund 70 Prozent des Süsswasserkonsums, die Industrie 20 Prozent, für Gewerbe und Privatpersonen bleiben 10 Prozent. Industrien, Bergbau, Erdölförderung, die industrielle Landwirtschaft (Pestizide, Herbizide, Dünger), wilde Mülldeponien und fehlende sanitäre Anlagen verseuchen mehr als die Hälfte der Süsswasserreserven der Welt. Die Verschmutzung bedroht nicht nur die Gesundheit der Armen, sondern auch ihre Ernährungssicherheit: Verschmutzte Flüsse, Bäche und Seen bedeuten weniger Fischfang, und, wo das Wasser für die kleinbäuerliche Bewässerung genutzt wird, kontaminierte Nahrungsmittel, belastete Böden und kleinere Ernten.
Viel Handlungsbedarf
Seit 1990 verfügen jedes Jahr durchschnittlich 80 Millionen Menschen mehr über sauberes Trinkwasser und 77 Millionen Menschen mehr über sanitäre Anlagen. Das ist beeindruckend, aber bei weitem nicht genug, um die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen haben, bis 2015 zu halbieren (Millenniumsziel 7). In Afrika südlich der Sahara hat die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sanitären Anlagen seit 1990 sogar zugenommen, von 335 auf 440 Millionen Menschen.
Um die Ziele zu erreichen, schätzt die Uno-Entwicklungsorganisation UNDP den finanziellen Bedarf auf 10 Milliarden US Dollar pro Jahr, also zehn Mal weniger, als in Europa jährlich für alkoholische Getränke ausgegeben wird. Heute beträgt die Hilfe für diesen Sektor nur rund 3,5 Milliarden US Dollar, weniger als 1997.
Verglichen mit dem Einsatz wären die Gewinne enorm: Jeder zweite Mensch in Entwicklungsländern leidet an Krankheiten, die durch unreines Wasser übertragen werden. Jedes Jahr sterben 2,2 Millionen Menschen, vor allem Kinder, an Durchfall- das entspricht dem Absturz von täglich 20 Jumbo-Jets! Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO führt jeder Dollar, der in Sanitäranlagen investiert wird, zu Einsparungen von acht Dollars im Gesundheitswesen. Zudem sind Durchfall und Darmparasiten mitverantwortlich für Unternährung, Vitaminmangel und Wachstumsstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, chronische Leiden und Arbeitsausfälle . All das hindert arme Menschen daran, aus der Armut auszubrechen.
Für Mädchen und Frauen wäre der Gewinn doppelt, weil meistens sie für das zeit- und kraftraubende Wasserholen zuständig sind. Sauberes Trinkwasser in der Nähe würde ihnen Zeit lassen, die Schule zu besuchen. Das wiederum trägt zur Armutsbekämpfung bei: Frauen mit Schulbildung können besser für die Ernährung und Gesundheit ihrer Familie sorgen, haben bessere Aussichten auf Erwerbsmöglichkeiten und nehmen aktiver an der Entwicklung ihrer Gemeinschaften teil.
Privatisierung ist keine Lösung
Viele Entwicklungsagenturen - auch das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) – sowie Vertreter der (Wasser-) Wirtschaft behaupten, ohne die Beteiligung der Privatwirtschaft könne die globale Wasserkrise nicht gelöst werden. Es brauche privates Kapital und Knowhow, um die ärmste Bevölkerung an die Leitungs- und Abwassersystemen anzuschliessen. Private Betreiber seien gegenüber öffentlichen Versorgungsdiensten effizienter und kostengünstiger. Diese Kreise fördern deshalb sogenannte „öffentlich-private Partnerschaften“ zwischen Firmen und Behörden (Public Private Partnerships PPPs). Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben in der Vergangenheit von Entwicklungsländern oft die Liberalisierung und Privatisierung der Wassersysteme verlangt, um in den Genuss von Entschuldungsmassnahmen und neuer Kredite zu kommen. Auch die Europäische Union puscht die Wasserprivatisierung, insbesondere bei den WTO-Verhandlungen über die Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen (GATS-Abkommen).
Die Erfahrungen in vielen Ländern des Südens – Argentinien, Bolivien, Indonesien, Philippinen, Tansania u.v.m. - zeigen, dass die Übernahme der Wasserversorgung durch private Konzerne kaum Probleme löst, aber neue schafft: Die Preise steigen, die grossen Städte werden bevorzugt, ländliche Regionen vernachlässigt, es werden kaum neue Eigeninvestitionen getätigt und die finanziellen Risiken auf den Staat bzw. die Bevölkerung abgewälzt.
In den vergangenen Jahren ist die Beteiligung der Privatwirtschaft an der Trinkwasserversorgung im Süden eher rückläufig. Private Investitionen konzentrieren sich auf Länder wie Chile, Mexiko und China. Zahlreiche Konzerne, zB. die französische Suez oder die deutsche RWE, haben sich aus Entwicklungsländern zurückgezogen, weil sie nicht die erhofften Gewinne einfahren konnten bzw. auf massive soziale Proteste stiessen. Oft wurden sie hinausgeworfen, weil sie die Verträge nicht einhielten und nicht wie vereinbart investierten.
Links Schweiz
Wasser als Quelle von Konflikten
Im Auftrrag des schweizerischen Arbeitskreises "Wasser - ein
öffentliches Gut" hat Alliance Sud am 6. März 200 eine Tagung über das
Konfliktpotential von Wasser organisiert. Zudr Diskussion kamen
Beispiele aus Palästina, Ostafrikas, Brasiliens und der Schweiz. Das
Einleitungsreferat hielt Catarina de Albuquerque, unabhängige Expertin
des UN-Menschenrechtsrates.
Helvetas
Das Hilfswerk Helvetas setzt sich seit Jahrzehnten für die Sicherung der Trinkwasserversorgung im Süden ein.
Wasserversorgung Schweiz
Die Website des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW)enthält zahlreiche interessante Fakten zum Wasserkonsum in der Schweiz.
Schweizer Arbeitskreis Wasser
Der Schweizer Arbeitskreis "Wasser - ein öffentliches Gut" hat ein Positionspapier ausgearbeitet. Erstunterzeichnende sind u.a. Alliance Sud, der VPOD, Greenpeace und der Schweiz. Bauernverband.
Alliance Sud-Positionspapier
Argumente, warum es eine internationale Konvention zum Schutze von Wasser als öffentlichem Gut braucht.
Internationale Kampagnen
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Blue Planet Project
Das Blue Planet Project ist ein internationales Projekt des Coucil of Canadians (Direktorin: Maude Barlow). Es setzt sich weltweit gegen die Privatisierung von Trinkwasser ein.
Heinrich Boell Stiftung
Auch auf der Website GLOBAL ALTERNATIVE der Heinrich Boell-Stifung finden sich viele interessante Dokumente zur Frage der Wasserversorgung, der Wasserprivatisierung und des Rechts auf Wasser.
World Development Movement
Die britische NGO World Development Movement führt eine Kampagne unter dem Titel "Dirty aid, dirty water". Sie bekämpft vor allem die Bestrebungen der britischen Entwicklungszusammenarbeit, die Wasserprivatisierung vorwärts zu treiben.
Food and Water Watch
US-Kampagne zu Wasser und Nahrung, die aus der Organisation Public Citizen heraus entstanden ist.
Water for all
Website der International Water Working Group von Public Citizen.
Grundlagendokumente
Zahlen zu Entwicklungshilfe und Wasser
Die Website der OECD enthält verschiedene Statistiken zum Thema Entwicklungshilfe und Wasserversorgung.
Kernprinzipien einer Wasserkonvention
Verschiedene internationale NGOs haben sich zu den "Friends of the Right to Water" zusammengeschlossen und erste Kernprinzipien für eine internationale Wasserkonvention ausgearbeitet.
ECOSOC zum Recht auf Wasser
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Uno bzw. dessen Ausschuss für Wirtschaft, Soziales und Kultur hat im November 2002 einen "Allgemeinen Kommentar zum Recht auf Wasser" veröffentlicht. Er ist ein wichtiger Schritt hin zum verbrieften Recht auf Wasser.
Wasserprivatisierung in Lateinamerika 2007
Bericht der Public Services Research Unit zu Entwicklungen im Wassersektor Lateirnamerikas, Rückzüge von Multis, öffentliche Angebote, die Politik der Entwicklungsbanken etc.
Internationale Organisationen
Weltwasserforum 2009
Im März 2009 fand in Istanbul das 5. Weltwasserforum statt. Hier finden Sie die Dokumente des offiellen Forums.
UNDP-Wasserprogramm
Website des Water and Sanitation Programs der Uno-Organisation für Entwicklung (UNDP).
PSIRU: Privatisierung und Service Public
Das Forschungsinstitut der Universität Greenwich/London (Public Services Interantional Research Unit) und befasst sich seit 1998 mit Fragen der Privatisierung des Service Public im Rahmen der Globalisierung.
World Water Council
Der World Water Council mit Sitz in Marseille versteht sich als internationaler Think Tank für Wasserpolitik. Gegründet 1996, zählt er heute über 300 Mitglieder (UNO-Organisationen, öffentliche Institutionen, NGOs und Firmen). Alle drei Jahre organisiert er das World Water Forum, das nächste Mal 2009 in Istanbul.
OECD
Die Website der OECD enthält verschiedene Statistiken zum Thema Entwicklungshilfe und Wasserversorgung.
aqueduc.info
Informations d'actualité sur les thématiques de l'eau et sous l'angle du développement durable et de ses trois composantes sociales, environnementales et économiques .

