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Dossier
10.01.2012
CDE Centre for Development and Environment

Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung
Entwicklung wird als nachhaltig definiert, wenn „die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden können, ohne die Chancen künftiger Generationen zu beeinträchtigen“. Diese Definition stammt aus dem Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland Bericht, 1987). Seit dem Erdgipfel von Rio de Janeiro in 1992, gilt nachhaltige Entwicklung als ein Leitkonzept und als ein zunehmend wichtiges Politikziel.

Es geht dabei um die Beziehungen zwischen menschlichen Lebensformen und Aktivitäten, der Umwelt und den ökologischen Prozessen, heute und in Zukunft. Die Entwicklung des individuellen Wohlstandes beruht dabei auf der nachhaltigen Wertschöpfung der wirtschaftlichen Systeme.

Kontext

Neu in bezug auf frühere Entwicklungsparadigmen ist die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Entwicklung, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit voneinander abhängen, und dass diese Wechselwirkungen langfristig von grosser Bedeutung sind. Die Rückwirkungen der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sollen im Zeichen der nachhaltigen Entwicklung nicht mehr zum Nachteil marginalisierter Gruppen und zukünftiger Gesellschaften ausgeblendet und vernachlässigt werden. Der globale Ansatz ist nötig, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, so dass im lokalen Kontext die Bedürfnisse befriedigt und Wohlstand angestrebt werden kann, ohne dass dies zu negativen Folgen für andere führt. Dazu sollen die drei Dimensionen ständig mitberücksichtigt werden, damit auf allen Ebenen zunehmend kohärent gehandelt wird. Die Entwicklung im Norden und Süden und die Sektorpolitiken hier und dort dürfen nicht mehr vollständig voneinander isoliert werden.

Der Rahmen für die Umsetzung

Gleichzeitig mit der Formulierung der Agenda 21 wurde in Rio begonnen, durch das Erarbeiten von internationalen Konventionen den institutionellen Rahmen für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen. Die Klimarahmenkonvention, die Konvention über biologische Vielfalt, die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung und die Deklaration zum Schutz des Waldes, wurden während der letzten 15 Jahre von weiteren international oder regional verbindlichen Abkommen ergänzt, vor allem zu den Themen biologische Sicherheit, Handel mit Chemikalien und Pestiziden, toxische Abfälle, das Verbot von besonders gefährlichen Chemikalien und das Klima (Kyoto Protokoll). Die internationalen Umweltabkommen gewinnen an Bedeutung in der ganzen Diskussion um die Globalisierung und müssen auch zunehmend von wirtschaftspolitischen Abkommen in Rahmen der WTO als Referenzrahmen wahrgenommen werden.

Die Kommission für nachhaltige Entwicklung
Mit der Schaffung der Kommission für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (CSD für Commission on Sustainable Development) wurde eine Instanz ins Leben gerufen, welche sich um eine Gesamtkoordination des Folgeprozesses der Konferenz bemüht. Ihre jährlichen Sitzungen bieten sich als Forum für den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren (Multi-Stakeholder-Dialog) an, die lokalen und regionalen Erfahrungen können so in den internationalen Dialog eingespiesen werden. Die CSD ist also auch die entscheidende Verbindung, welche den Kreis von der globalen über die nationale hin zur lokalen Ebene schliesst.

Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung - Johannesburg 2002: 10 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio, bot die Konferenz in Johannesburg den Rahmen für eine Standortbestimmung und für die Planung weiterer Schritte. Nicht neue Abkommen zwischen Regierungen war das Ziel, sondern vielmehr sollten über 300 Partnerschaftsinitiativen, zur Zielsetzung nachhaltige Entwicklung beitragen.
Generell wird anerkannt, dass trotz umfassenden Strategien und trotz Fortschritten in einzelnen Gebieten, die Erwartungen sich insgesamt nicht erfüllt haben. Die Armut hat weltweit zugenommen, und der Druck auf die Umwelt und die natürlichen Ressourcen hat nicht nachgelassen.

Seit dem Weltgipfel in Johannesburg 2002 hat die internationalen Diskussion was die nachhaltige Entwicklung anbelangt an Aufmerksamkeit verloren. Im Entwicklungskontext sind die Millenniums Entwicklungsziele in den Vordergrund gerückt.  Diese im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen deklarierten konkreten, sektoriellen und quantifizierbaren Ziele zur Eliminierung der Armut und Hunger scheinen auf den ersten Blick einfacher erreichbar zu sein. Doch nur wenn die acht Ziele auf der Grundlage einer umfassenden Nachhaltigen Entwicklung erreicht werden , sind diese auch langfristig haltbar.

Globalisierung und nachhaltige Entwicklung
Die wirtschaftliche Dimension wird deutlich durch einen immer grösseren Produktionsanteil, welcher international gehandelt wird. Die dadurch entstehenden Produktions- und Konsummodelle beeinflussen durch ihre Aktivitäten nicht nur andere weite oder nahe Regionen, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen Staat und privater Wirtschaft. Diese zeigen sich in den bereits vollständig globalen Verhältnissen im Kapitalmarkt.
Die ökologische Dimension bezieht sich auf die globale Verflechtung der Natur, welche in mehreren Umweltproblemen unübersehbar wurde. Wichtige Umweltbedrohungen wie z.B. die Klimaveränderung oder der Verlust der Biodiversität entstehen aus dem Zusammenspiel von lokalen und globalen Prozessen in den verschiedenen Kontinenten.
Die soziale Globalisierung schliesslich folgt der wirtschaftlichen und wird zusätzlich durch die neuen technologischen Verbreitungsmöglichkeiten von Informationen und Ideen gefördert. Einerseits führt dies zu einem stärkeren öffentlichen Bewusstsein der Welt als Einheit, andererseits kann es aber von den mächtigen Lobbies auch ausgenutzt werden.
Globalisierung wirkt sich durch ihre verschiedenen Fazetten auch auf der lokalen Ebene aus. Für die nachhaltige Entwicklung hat sie auf dieser Ebene aufgrund der falschen Rahmenbedingungen einen stark hemmenden Einfluss.

Umsetzungsprozesse auf internationaler Ebene

Wie kann, ausgehend vom Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, diese menschenwürdige Zukunft gemeinsam ermöglicht werden? Auf der Basis einer gemeinsamen Werthaltung können auf der lokalen Ebene Prozesse zu Veränderungen des Umgangs mit Natur und sozialen Ansprüchen beginnen. Zunehmend werden auf nationaler und globaler Ebene die dazu notwendigen politischen und insitutionellen Rahmenbedingungen geschaffen.

Agenda 21: der Aktionsplan zur Umsetzung

Der Aktionsplan Agenda 21, eines der Dokumente des Weltgipfels von 1992, dient als  gemeinsame Ausgangsbasis und immer noch als wichtiger Referenzrahmen. Zusammengesetzt aus 40 Kapiteln, teilt die Agenda 21 die Aktionen in vier grosse Bereiche:

  • die Integration der drei Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung,
  • die einzelnen Sektorpolitiken,
  • die wichtigen Partnerschaften und ihre Verstärkung
  • die Instrumente zur Umsetzung des Aktionsprogramms.

 

Die lokalen Agenden

Ausgehend vom Prinzip, dass nur durch breit getragene Aktivitäten auf der lokalen und der regionalen Ebene das Ziel der Nachhaltigkeit auch international erreicht werden kann, sind „lokale Agenden“ entwickelt worden. ‚Lokale Agenden‘ sind Instrumente angepasst an die spezifischen Rahmenbedingungen auf Gemeinde- und Dorfebene. Dabei konkretisiert sich die zentrale Rolle der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen: Zielsetzungen wie z.B. der schonende Umgang mit Wasser, Boden und Vegetation, die Verminderung des Energieverbrauchs oder die Erhaltung von natürlichen Räumen innerhalb von urbanen Strukturen, gehören deshalb zu den Leitlinien lokaler Agenden.
Der Erfolg dieser Prozesse wird allerdings weitgehend vom politischen und sozialen Umfeld bestimmt. So werden die Grenzen schnell erreicht, wenn die nationale Gesetzgebung andere (unnachhaltige) Ziele anstrebt und fördert, oder wenn eine mangelnde Dezentralisierung die Entscheidungsfreiheit auf kommunaler Ebene einschränkt. Vernetzung und Erfahrungsaustausch wirken dagegen fördernd. Die Vertreter der lokalen Kommunen haben am Weltgipfel in Johannesburg haben nach 10 Jahren Erfahrungen eine mangelnde Umsetzung bemängelt.

Nachhaltige Entwicklung in der Schweiz

Die Bundesverfassung deklariert nachhaltige Entwicklung als Staatsziel und Artikel 73 («Nachhaltigkeit») fordert Bund und Kantone dazu auf, «ein auf Dauer ausgewogenes Verhältnis zwischen der Natur und ihrer Erneuerungsfähigkeit einerseits und ihrer Beanspruchung durch den Menschen anderseits» anzustreben. Doch fehlt eine Anschlussgesetzgebung, somit werden die Verfassungsbestimmung nur zu einer leitenden Vision, sind aber rechtlich nicht verbindlich.
2002 hat der Bundesrat seine zweite "Strategie Nachhaltige Entwicklung 2002" verabschiedet. Die Strategie enthält Leitlinien und einen Aktionsplan. Ausgerichtet war die Strategie bis 2007. Mit einer Gesamtevaluation durch IDANE (Interdepartementaler Ausschauss Nachhaltige Entwicklung) fand sie einen Abschluss. Darin wird festgehalten, dass die Ziele der "Strategie 2002"  nur teilweise erreicht wurden. IDANE formuliert 21 Empfehlungen  für eine weiterentwickelte "Strategie 2007" .

Was ihre Aussenpolitik betrifft, strebt die Schweiz eine nachhaltige Entwicklung über verschiedene Aktionsfelder an, unter anderem durch ihre Beteiligung an verschiedene internationalen Abkommen und auch über die Entwicklungszusammenarbeit. Mit dem UNO Beitritt hat die Schweiz die Möglichkeit ihr internationales Engagement für die Nachhaltigkeit zu verstärken. Die DEZA nennt in ihrer "Strategie 2010", herausgegeben 2001, nachhaltige Entwicklung noch an erster Stelle, doch in den letzten Jahre rückte die Armutsorientierung verstärkt in den Vordergrund.

 

Internationale und globale Organisationen

UN Commission on Sustainable Development (CSD)
Die Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen,1992 ins Leben gerufen, um den Follow-up der Rio-Konferenz, der Agenda 21 und den Umsetzungsplan von Johannesburg 2002 zu sichern.

FAO Sustainable Development Department
Die Abteilung “Nachhaltige Entwicklung“ der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) versteht sich als Referenz-Zentrum für Wissen und Beratung zu biophysischen, biologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten der nachhaltigen Entwicklung.

International Council for Local Environmental Initiatives
ICLEI dient als Basis einer weltweiten Bewegung von lokalen Eigeninitiativen (local government) mit dem Ziel, die Verbesserung der globalen Umweltsituation und die nachhaltige Entwicklung durch lokale Aktionen zu fördern.
 

Nachhaltige Entwicklung der Schweiz

Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)
Das Bundesamt ist federführend in diesem Bereich. Es bildet zusammen mit den Bundesämtern Gesundheit, Landwirtschaft, Umwelt und der DEZA das Leitungsorgan des IDANE.

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA setzt sich weltweit für eine nachhaltige Entwicklung ein. Die Web-Seite informiert u.a. über die Strategie und die vielfältigen Projekte die zu einer nachhaltigen Entwicklung führen sollen. Siehe auch Strategie 2010 der DEZA