Gesundheit: Zugang zu Medikamenten
Allzu lange hat die Wirtschaft das Interesse ihrer Kapitalgeber ohne grosses Zaudern zum alleinigen Leitfaden gemacht, so dass es heute nicht erstaunt, dass die Ankündigungen der Pharmaunternehmen, den Zugang armer Bevölkerungen zu ihren Produkten verbessern zu wollen, auf tiefe Skepsis stossen. Dem geschenkten Gaul wird in jedem Fall sehr kritisch ins Maul geschaut...
Inhaltsverzeichnis
Mehr Medikamente ...und mehr!
Auch mit billigeren Medikamenten ist im Kampf gegen Aids und gegen andere,
immer wieder vergessene Killer wie Malaria und Tuberkulose noch gar nichts
erreicht. Eine HIV-Behandlung dauert so lange wie das Leben der betroffenen
Person. Wille und Werkzeuge zur Behandlung müssen während der gesamten Dauer
vorhanden sein. Wenn die Behandlung unsachgemäss erfolgt oder abgebrochen wird,
erhöht sich zudem die Gefahr der Resistenzbildung des HI-Virus gegen die
eingesetzten Wirkstoffe.
Es braucht auf jeden Fall neue Medikamente,
aber auch einfachere Diagnose-, Kontroll- und Behandlungsmethoden. Der Slogan,
dass die 35 Millionen HIV-Infizierten in Afrika mit den zu Verfügung stehenden
Werkzeugen "gerettet" werden können, ist politisch korrekt, aber
unehrlich.
Angesichts der riesigen Herausforderung, die Aids darstellt,
dürfen die bewährten Konzepte und Zielsetzungen der Gesundheitspolitik und
-praxis nicht durch blinden Aktivismus abgelöst werden. Weil nun plötzlich
Aufmerksamkeit und offenbar auch finanzielle Mittel vorhanden sind, dürfen die
PatientInnen und die Gesundheitssysteme in armen Ländern nicht zu
Versuchskaninchen für "quick fix" Lösungen dienen, die die bestehenden
Kapazitäten und Systeme gefährden, statt sie zu fördern.
Die
Gesundheitsversorgungssysteme müssen über die nötigen Mittel verfügen, um
effiziente und wirkungsvolle Massnahmen zur Verhinderung der weiteren
Ausbreitung des HI-Virus und zur Betreuung und Behandlung der Infizierten und
Kranken zu treffen. Dazu braucht es mehr und besser ausgebildetes Personal, eine
funktionierende Infrastruktur, aber auch die richtigen Prioritäten und Programme
im Gesundheitsbereich.
Die Reform – oder zum Teil die Reanimation – der
Gesundheitsstrukturen benötigt neben dem politischen Willen auch viel Geld und
ist nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Boden zu stampfen.
Schliesslich muss die Gesundheitspolitik auf nationaler wie auch auf
internationaler Ebene Teil einer umfassenden Sozial- und Wirtschaftspolitik
darstellen. Gesundheit und Lebensbedingungen können nicht voneinander betrachtet
werden, übertragbare Krankheiten sind immer auch zuerst Krankheiten der Armut
und der Ungerechtigkeit. Diese zu überwinden und die Menschen zu befähigen, ihr
Schicksal selbst zu bestimmen, ist die grösste Herausforderung, in "armen" und
in "reichen" Ländern.
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Einleitung und Verantwortung für das Dossier:
Thomas Schwarz, Netzwerk Medicus Mundi
Schweiz
(seit 2008 nur noch sporadische Aktualisierung)
Schlüsselressourcen
Access to medicines and international issues
(Eldis Resource Guide)
BUKO Pharma-Brief
Die Publikation der BUKO-Pharma-Kampagne (Deutschland). Seit 1996 auch im Internet. [mms | Deutsch]
Med in Switzerland
Ein Ort der entwicklungspolitischen Diskussion über Gesundheit in der Schweiz und in der Dritten Welt - und über die Verantwortung der Schweiz in diesem Bereich. [mms | Deutsch]
Essential Drugs Monitor
Published by the WHO, containing regular features on national drug policies, rational drug use, supply, operational research and public education, together with reviews of relevant publications. [mms | Englisch]
Fachplattform aidsfocus.ch
Die Schweizerische Fachplattform HIV/Aids und internationale Zusammenarbeit vernetzt rund 40 Schweizer Hilfswerke und Organisationen. aidsfocus.ch bietet Erfahrungsaustausch und unterstützt die im Bereich tätigen Akteure, damit sie wirkungsvoll gegen die Pandemie und ihre Auswirkungen vorgehen können.
Netzwerke und Kampagnen
Health Action International
HAI is a non-profit, global network of health, development, consumer
and other public interest groups in more than 70 countries working for
a more rational use of medicinal drugs. HAI represents the interests of
consumers in drug policy and believes that all drugs marketed should be
acceptably safe, effective, affordable and meet real medical needs.
Essential Inventions
A non-profit corporation to promote the creation and distribution of essential inventions and other works that support public health, nutrition, learning, and access to information and cultural life.
Schauplätze
Novartis verliert Patentstreit um Glivec® in Indien
Das „Intellectual Property Appellate Board“ in Delhi hat seinen Entscheid veröffentlicht, dem Novartis-Produkt Glivec keinen Patentschutz zu erteilen. Die Erklärung von Bern begrüsst dieses wegweisende Urteil der Rekursinstanz, weil damit armen Bevölkerungsgruppen der Zugang zu diesem wichtigen Krebsmedikament auch künftig ermöglicht wird. (Erklärung von Bern, 6. Juli 2009)
Arzneimittelforschung im öffentlichen Interesse?
"Arzneimittel sollen ein Segen für die Menschheit sein. Doch wird die Forschung ihren eigenen Ansprüchen gerecht?"
Innovation, öffentliche Gesundheit und Patente
Für viele Krankheiten, die nur in südlichen Ländern vorkommen, gibt es keine Medikamente. Obwohl an den Infektionen Millionen von Menschen erkranken, besteht bei den pharmazeutischen Konzernen wenig Interesse, die Forschung auf diese Krankheiten zu intensivieren, da ihnen die Gewinnaussichten zu gering erscheinen. Falls bereits Medikamente existieren, sind sie für die Bevölkerung im Süden meist unerschwinglich. (EvB Dokumentation, Januar 2009)
WHO Intergovernmental Working Group on Public Health, Innovation and Intellectual PropertyAt a global meeting of Governments convened by the World Health Organization (WHO) on 4-8 December 2006, countries opened discussions on best ways to boost research into medicines and other health products for diseases disproportionately affecting the poor, and the relationship between intellectual property and public health.
New Medical R&D Treaty NeededA open letter asks the WHO commission on Intellectual Property, Innovation and Health to evaluate a new treaty framework for medical Reseach and Development (Essential Inventions, February 2005)

