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Dossier
02.03.2011
Medicus Mundi Schweiz

Gesundheit: Zugang zu Medikamenten

Medikamente
Im November 2001 verabschiedeten die WTO-Minister in Doha eine spezielle Erklärung zum TRIPS-Abkommen und zur öffentlichen Gesundheit. Diese hält fest, dass der Schutz der öffentlichen Gesundheit Vorrang gegenüber dem Patentschutz hat. Die Umsetzung erweist sich auch heute noch als schwierig.

Allzu lange hat die Wirtschaft das Interesse ihrer Kapitalgeber ohne grosses Zaudern zum alleinigen Leitfaden gemacht, so dass es heute nicht erstaunt, dass die Ankündigungen der Pharmaunternehmen, den Zugang armer Bevölkerungen zu ihren Produkten verbessern zu wollen, auf tiefe Skepsis stossen. Dem geschenkten Gaul wird in jedem Fall sehr kritisch ins Maul geschaut...

Mehr Medikamente ...und mehr!

Auch mit billigeren Medikamenten ist im Kampf gegen Aids und gegen andere, immer wieder vergessene Killer wie Malaria und Tuberkulose noch gar nichts erreicht. Eine HIV-Behandlung dauert so lange wie das Leben der betroffenen Person. Wille und Werkzeuge zur Behandlung müssen während der gesamten Dauer vorhanden sein. Wenn die Behandlung unsachgemäss erfolgt oder abgebrochen wird, erhöht sich zudem die Gefahr der Resistenzbildung des HI-Virus gegen die eingesetzten Wirkstoffe.

Es braucht auf jeden Fall neue Medikamente, aber auch einfachere Diagnose-, Kontroll- und Behandlungsmethoden. Der Slogan, dass die 35 Millionen HIV-Infizierten in Afrika mit den zu Verfügung stehenden Werkzeugen "gerettet" werden können, ist politisch korrekt, aber unehrlich.

Angesichts der riesigen Herausforderung, die Aids darstellt, dürfen die bewährten Konzepte und Zielsetzungen der Gesundheitspolitik und -praxis nicht durch blinden Aktivismus abgelöst werden. Weil nun plötzlich Aufmerksamkeit und offenbar auch finanzielle Mittel vorhanden sind, dürfen die PatientInnen und die Gesundheitssysteme in armen Ländern nicht zu Versuchskaninchen für "quick fix" Lösungen dienen, die die bestehenden Kapazitäten und Systeme gefährden, statt sie zu fördern.

Die Gesundheitsversorgungssysteme müssen über die nötigen Mittel verfügen, um effiziente und wirkungsvolle Massnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des HI-Virus und zur Betreuung und Behandlung der Infizierten und Kranken zu treffen. Dazu braucht es mehr und besser ausgebildetes Personal, eine funktionierende Infrastruktur, aber auch die richtigen Prioritäten und Programme im Gesundheitsbereich.

Die Reform – oder zum Teil die Reanimation – der Gesundheitsstrukturen benötigt neben dem politischen Willen auch viel Geld und ist nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Boden zu stampfen.

Schliesslich muss die Gesundheitspolitik auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene Teil einer umfassenden Sozial- und Wirtschaftspolitik darstellen. Gesundheit und Lebensbedingungen können nicht voneinander betrachtet werden, übertragbare Krankheiten sind immer auch zuerst Krankheiten der Armut und der Ungerechtigkeit. Diese zu überwinden und die Menschen zu befähigen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, ist die grösste Herausforderung, in "armen" und in "reichen" Ländern.

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Einleitung und Verantwortung für das Dossier:
Thomas Schwarz, Netzwerk Medicus Mundi Schweiz
(seit 2008 nur noch sporadische Aktualisierung)

Schlüsselressourcen

Access to medicines and international issues
(Eldis Resource Guide)

BUKO Pharma-Brief
Die Publikation der BUKO-Pharma-Kampagne (Deutschland). Seit 1996 auch im Internet. [mms | Deutsch]
 
Med in Switzerland
Ein Ort der entwicklungspolitischen Diskussion über Gesundheit in der Schweiz und in der Dritten Welt - und über die Verantwortung der Schweiz in diesem Bereich. [mms | Deutsch]
 
Essential Drugs Monitor
Published by the WHO, containing regular features on national drug policies, rational drug use, supply, operational research and public education, together with reviews of relevant publications. [mms | Englisch]
 
Fachplattform aidsfocus.ch
Die Schweizerische Fachplattform HIV/Aids und internationale Zusammenarbeit vernetzt rund 40 Schweizer Hilfswerke und Organisationen. aidsfocus.ch bietet Erfahrungsaustausch und unterstützt die im Bereich tätigen Akteure, damit sie wirkungsvoll gegen die Pandemie und ihre Auswirkungen vorgehen können.

Netzwerke und Kampagnen

HAI

Health Action International
HAI is a non-profit, global network of health, development, consumer and other public interest groups in more than 70 countries working for a more rational use of medicinal drugs. HAI represents the interests of consumers in drug policy and believes that all drugs marketed should be acceptably safe, effective, affordable and meet real medical needs.

MSF Access Campaign 

Essential Inventions
A non-profit corporation to promote the creation and distribution of essential inventions and other works that support public health, nutrition, learning, and access to information and cultural life.

Consumer Project on Technology

 

Schauplätze

 
Novartis verliert Patentstreit um Glivec® in Indien 
Das „Intellectual Property Appellate Board“ in Delhi hat seinen Entscheid veröffentlicht, dem Novartis-Produkt Glivec keinen Patentschutz zu erteilen. Die Erklärung von Bern begrüsst dieses wegweisende Urteil der Rekursinstanz, weil damit armen Bevölkerungsgruppen der Zugang zu diesem wichtigen Krebsmedikament auch künftig ermöglicht wird. (Erklärung von Bern, 6. Juli 2009)
 
Arzneimittelforschung im öffentlichen Interesse?
"Arzneimittel sollen ein Segen für die Menschheit sein. Doch wird die Forschung ihren eigenen Ansprüchen gerecht?"

Innovation, öffentliche Gesundheit und Patente

Pharmazeutische Forschung und Krankheiten des Südens «Eine Unterlassungssünde»

Für viele Krankheiten, die nur in südlichen Ländern vorkommen, gibt es keine Medikamente. Obwohl an den Infektionen Millionen von Menschen erkranken, besteht bei den pharmazeutischen Konzernen wenig Interesse, die Forschung auf diese Krankheiten zu intensivieren, da ihnen die Gewinnaussichten zu gering erscheinen. Falls bereits Medikamente existieren, sind sie für die Bevölkerung im Süden meist unerschwinglich. (EvB Dokumentation, Januar 2009)

WHO Intergovernmental Working Group on Public Health, Innovation and Intellectual Property

At a global meeting of Governments convened by the World Health Organization (WHO) on 4-8 December 2006, countries opened discussions on best ways to boost research into medicines and other health products for diseases disproportionately affecting the poor, and the relationship between intellectual property and public health.

New Medical R&D Treaty Needed

A open letter asks the WHO commission on Intellectual Property, Innovation and Health to evaluate a new treaty framework for medical Reseach and Development (Essential Inventions, February 2005)

WTO: TRIPS and Public Health