Globales Lernen
Globales Lernen versteht sich als pädagogische Antwort auf die Globalisierung der Weltgesellschaft. Schülerinnen und Schüler können globale Zusammenhänge zum Beispiel anhand der „Weltreise“ eines T-Shirts verstehen lernen und dadurch Verantwortungsgefühl entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Kein neues Fach, sondern Unterrichtsprinzip
Globales Lernen ist Lernen für die Zukunft. Fit zu sein für eine globalisierte Gesellschaft heisst nicht allein, Englisch- und Computerkenntnisse vorweisen zu können, um tauglich zu sein für den Arbeitsmarkt. Globales Lernen will Menschen ermutigen und befähigen, sich aktiv in die Gestaltung der Weltgesellschaft einzubringen, und die Voraussetzungen für solidarisches Denken und Handeln weltweit zu schaffen. Es zielt auf die Entfaltung kognitiver, sozialer und praktischer Kompetenzen ab, die wir brauchen, um auch unter den komplexen Bedingungen einer zusammenwachsenden Welt ein erfülltes und verantwortungsbewusstes Leben zu führen.
Einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet
Seine Wurzeln hat das Globale Lernen in verschiedenen Ansätzen,
insbesondere in der Entwicklungspädagogik, in der Friedenserziehung,
Umweltbildung und in der interkulturellen Pädagogik.
Entsprechend seiner vielfältigen pädagogischen Ausrichtung bestehen für
das Globale Lernen verschiedene Theorie- und Praxiszugänge. Alle sind
dabei auf eine zukunftsfähige Entwicklung im Sinne der Agenda 21
ausgerichtet, die auch von der Schweiz 1992 in Rio mitunterzeichnet
wurde. Dieses Ziel teilt das Globale Lernen mit anderen pädagogischen
Querschnittsbereichen, wie etwa der Umweltbildung, der
Gesundheitserziehung oder der Interkulturellen Pädagogik. Das
spezifische Interesse des Globalen Lernens gilt dabei jedoch den Werten
einer menschenwürdigen Entwicklung auf der Basis sozialer Gerechtigkeit.
Lokale Lebensrealitäten in ihrer globalen Dimension erfassen
Globales Lernen ist auf einen ganzheitlichen und partizipativen Lernprozess ausgerichtet. Dabei sollen Methodenvielfalt und Perspektivenwechsel dazu beitragen, Komplexität durchschaubarer zu gestalten, Ungewissheit und unlösbare Widersprüche zu akzeptieren oder erträglich zu machen. Im Zentrum steht wenn immer möglich die unmittelbare Lebensrealität der Lernenden. Aus der lokalen Erfahrung heraus soll die globale Dimension erschlossen werden. Drei Ebenen des Lernens gehören zu diesem Prozess:
- Lernen, die globalen Zusammenhänge unseres heutigen Lebens zu verstehen (Kenntnisse).
Bsp: Wie leben Kinder, die in Kleiderfabriken arbeiten? - Lernen, am einzelnen Thema persönliche Haltungen und Einstellungen zu entwickeln (Werthaltungen).
Bsp: Ich verurteile Kinderarbeit. - Lernen, wie die gewonnenen Erkenntnisse in aktives Handeln umgesetzt werden können (Fähigkeiten).
Bsp: Ich ändere bewusst mein Konsumverhalten und kaufe fair-trade-Produkte.
Zum Beispiel Kleider: Das T-Shirt
Was heisst Globales Lernen praktisch? Als konkretes Beispiel soll ein
T-Shirt dienen: Die Baumwolle stammt von Feldern in Westafrika.
Versponnen wird sie in der Türkei. Der rohe Faden wird an Webereien in
Taiwan geliefert. Der Stoff gelangt sodann nach Polen, wo er gefärbt
wird. In Bangladesch wird er schliesslich zugeschnitten und
zusammengenäht. Europäische Händler kaufen die fertige Ware vor Ort und
bringen sie in unsere Geschäfte.
Ein T-Shirt, wie es die meisten Schülerinnen und Schüler auf dem Leibe
tragen, ist heute ein „globalisiertes Produkt“. Beim Globalen Lernen
kann es den Bezug zur Welt herstellen: Kinder und Jugendliche erfahren
in der Schule, wie die Bäuerin in Westafrika lebt, auf deren Felder die
Baumwolle angepflanzt wird; wie es dem Kind geht, das in der
Kleiderfabrik in Bangladesch schuftet. Und mit welchem ökologischen
Aufwand die „Weltreise“ eines T-Shirts verbunden ist. Aufgrund des
Wissens über solche globalen Zusammenhänge können die Kinder
Werthaltungen entwickeln. Und sie können ihre Kenntnisse in aktives
Handeln umsetzen lernen. Als KonsumentInnen verzichten sie in der Folge
vielleicht auf bestimmte Markenartikel, von denen sie wissen, dass sie
durch illegale Kinderarbeit hergestellt wurden.
Ressourcen
Globales Lernen in der Schweiz
Die Stiftung Bildung und Entwicklung ist die Fachstelle für globales Lernen in der Schweiz. Sie gibt bezüglich Inhalt und Methode Impulse für einen Schulunterricht, der auf eine zukunftsfähige Weltgesellschaft hinwirkt.
Zu den thematischen Schwerpunkten gehören: Menschenrechte, Vielkulturalität, Frieden, Nord-Süd-Beziehungen und zukunftsfähige Entwicklung. Ihr Angebot für Lehrpersonen aller Stufen beinhaltet:
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Verkauf und Verleih geprüfter Unterrichtsmittel
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Praxisnahe und methodisch innovative Aus- und Weiterbildungskurse
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Umfassende Information und kompetente Beratung für den Unterricht * Vernetzung mit Organisationen ähnlicher Ausrichtung.
Online-Leitfaden für Lehrpersonen
Ein neuer online-Leitfaden – erstellt durch die Stiftung Bildung und Entwicklung – zeigt Lehrpersonen in einer Wegleitung, wie sie Globales Lernen für den Unterricht nutzen können. An zwei Beispielen zum Thema «Lebensraum Stadt» – eines für die Primarstufe und eines für die Berufsschule – kann verfolgt werden, wie zwei fiktive Lehrpersonen, die Wegleitung benutzen. Zudem erläutern kurze Texte das Konzept des Globalen Lernens aus verschiedenen Perspektiven: Geschichte und aktuelle Diskussion, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Kompetenzen – Themen.
Diese Site wird von "Baobab", der entwicklungspolitischen Bildungs- und Schulstelle Österreichs, betreut. Sie bietet Unterrichtsmaterialien und Medien an, vermittelt ReferentInnen und pflegt Kontakte zu Institutionen ähnlicher Ausrichtung.
Globales Lernen in Deutschland
In Deutschland sind sowohl die theoretische Diskussion wie auch die praktische Umsetzung des globalen Lernens viel weiter fortgeschritten als in der Schweiz. Diese zentrale Einstiegsseite verschafft einen schnellen und übersichtlichen Zugang zu allen relevanten Informations- und Bildungsangeboten zum globalen Lernen im deutschsprachigen Raum

