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Dossier
11.01.2008
Globaleducation

Globales Lernen

Klasse
Globales Lernen ist kein neues Unterrichtsfach, sondern eine fächerübergreifende Richtschnur für den Unterricht auf allen Stufen. Mit Globalem Lernen sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, in einer komplex verflochtenen Weltgesellschaft aufgrund geeigneter Kenntnisse und Fähigkeiten verantwortungsbewusst zu handeln.

Globales Lernen versteht sich als pädagogische Antwort auf die Globalisierung der Weltgesellschaft. Schülerinnen und Schüler können globale Zusammenhänge zum Beispiel anhand der „Weltreise“ eines T-Shirts verstehen lernen und dadurch Verantwortungsgefühl entwickeln.

Kein neues Fach, sondern Unterrichtsprinzip

Globales Lernen ist Lernen für die Zukunft. Fit zu sein für eine globalisierte Gesellschaft heisst nicht allein, Englisch- und Computerkenntnisse vorweisen zu können, um tauglich zu sein für den Arbeitsmarkt. Globales Lernen will Menschen ermutigen und befähigen, sich aktiv in die Gestaltung der Weltgesellschaft einzubringen, und die Voraussetzungen für solidarisches Denken und Handeln weltweit zu schaffen. Es zielt auf die Entfaltung kognitiver, sozialer und praktischer Kompetenzen ab, die wir brauchen, um auch unter den komplexen Bedingungen einer zusammenwachsenden Welt ein erfülltes und verantwortungsbewusstes Leben zu führen.

Einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet

Seine Wurzeln hat das Globale Lernen in verschiedenen Ansätzen, insbesondere in der Entwicklungspädagogik, in der Friedenserziehung, Umweltbildung und in der interkulturellen Pädagogik.

Entsprechend seiner vielfältigen pädagogischen Ausrichtung bestehen für das Globale Lernen verschiedene Theorie- und Praxiszugänge. Alle sind dabei auf eine zukunftsfähige Entwicklung im Sinne der Agenda 21 ausgerichtet, die auch von der Schweiz 1992 in Rio mitunterzeichnet wurde. Dieses Ziel teilt das Globale Lernen mit anderen pädagogischen Querschnittsbereichen, wie etwa der Umweltbildung, der Gesundheitserziehung oder der Interkulturellen Pädagogik. Das spezifische Interesse des Globalen Lernens gilt dabei jedoch den Werten einer menschenwürdigen Entwicklung auf der Basis sozialer Gerechtigkeit.

Lokale Lebensrealitäten in ihrer globalen Dimension erfassen

Globales Lernen ist auf einen ganzheitlichen und partizipativen Lernprozess ausgerichtet. Dabei sollen Methodenvielfalt und Perspektivenwechsel dazu beitragen, Komplexität durchschaubarer zu gestalten, Ungewissheit und unlösbare Widersprüche zu akzeptieren oder erträglich zu machen. Im Zentrum steht wenn immer möglich die unmittelbare Lebensrealität der Lernenden. Aus der lokalen Erfahrung heraus soll die globale Dimension erschlossen werden. Drei Ebenen des Lernens gehören zu diesem Prozess:

  • Lernen, die globalen Zusammenhänge unseres heutigen Lebens zu verstehen (Kenntnisse).
    Bsp: Wie leben Kinder, die in Kleiderfabriken arbeiten?
  • Lernen, am einzelnen Thema persönliche Haltungen und Einstellungen zu entwickeln (Werthaltungen).
    Bsp: Ich verurteile Kinderarbeit.
  • Lernen, wie die gewonnenen Erkenntnisse in aktives Handeln umgesetzt werden können (Fähigkeiten).
    Bsp: Ich ändere bewusst mein Konsumverhalten und kaufe fair-trade-Produkte.

Zum Beispiel Kleider: Das T-Shirt

Was heisst Globales Lernen praktisch? Als konkretes Beispiel soll ein T-Shirt dienen: Die Baumwolle stammt von Feldern in Westafrika. Versponnen wird sie in der Türkei. Der rohe Faden wird an Webereien in Taiwan geliefert. Der Stoff gelangt sodann nach Polen, wo er gefärbt wird. In Bangladesch wird er schliesslich zugeschnitten und zusammengenäht. Europäische Händler kaufen die fertige Ware vor Ort und bringen sie in unsere Geschäfte.
Ein T-Shirt, wie es die meisten Schülerinnen und Schüler auf dem Leibe tragen, ist heute ein „globalisiertes Produkt“. Beim Globalen Lernen kann es den Bezug zur Welt herstellen: Kinder und Jugendliche erfahren in der Schule, wie die Bäuerin in Westafrika lebt, auf deren Felder die Baumwolle angepflanzt wird; wie es dem Kind geht, das in der Kleiderfabrik in Bangladesch schuftet. Und mit welchem ökologischen Aufwand die „Weltreise“ eines T-Shirts verbunden ist. Aufgrund des Wissens über solche globalen Zusammenhänge können die Kinder Werthaltungen entwickeln. Und sie können ihre Kenntnisse in aktives Handeln umsetzen lernen. Als KonsumentInnen verzichten sie in der Folge vielleicht auf bestimmte Markenartikel, von denen sie wissen, dass sie durch illegale Kinderarbeit hergestellt wurden.

 

Ressourcen

Globales Lernen in der Schweiz

Die Stiftung Bildung und Entwicklung ist die Fachstelle für globales Lernen in der Schweiz. Sie gibt bezüglich Inhalt und Methode Impulse für einen Schulunterricht, der auf eine zukunftsfähige Weltgesellschaft hinwirkt.

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören: Menschenrechte, Vielkulturalität, Frieden, Nord-Süd-Beziehungen und zukunftsfähige Entwicklung. Ihr Angebot für Lehrpersonen aller Stufen beinhaltet:

  •  Verkauf und Verleih geprüfter Unterrichtsmittel

  • Praxisnahe und methodisch innovative Aus- und Weiterbildungskurse

  • Umfassende Information und kompetente Beratung für den Unterricht * Vernetzung mit Organisationen ähnlicher Ausrichtung.


Online-Leitfaden für Lehrpersonen

Ein neuer online-Leitfaden – erstellt durch die Stiftung Bildung und Entwicklung – zeigt Lehrpersonen in einer Wegleitung, wie sie Globales Lernen für den Unterricht nutzen können. An zwei Beispielen zum Thema «Lebensraum Stadt» – eines für die Primarstufe und eines für die Berufsschule – kann verfolgt werden, wie zwei fiktive Lehrpersonen, die Wegleitung benutzen. Zudem erläutern kurze Texte das Konzept des Globalen Lernens aus verschiedenen Perspektiven: Geschichte und aktuelle Diskussion, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Kompetenzen – Themen.

 http://www.globaleslernen.ch

 

Globales Lernen in Österreich

Diese Site wird von "Baobab", der entwicklungspolitischen Bildungs- und Schulstelle Österreichs, betreut. Sie bietet Unterrichtsmaterialien und Medien an, vermittelt ReferentInnen und pflegt Kontakte zu Institutionen ähnlicher Ausrichtung.


Globales Lernen in Deutschland

In Deutschland sind sowohl die theoretische Diskussion wie auch die praktische Umsetzung des globalen Lernens viel weiter fortgeschritten als in der Schweiz. Diese zentrale Einstiegsseite verschafft einen schnellen und übersichtlichen Zugang zu allen relevanten Informations- und Bildungsangeboten zum globalen Lernen im deutschsprachigen Raum