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Dossier
01.11.2010
IAMANEH Schweiz

Gesundheit: Trends in reproduktiver Gesundheit

The Right to Choose...
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Das Konzept der reproduktiven Gesundheit wie es auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz 1994 definiert und in einem Aktionsprogramm verabschiedet wurde, beinhaltet eine grundlegende Neuorientierung und verlässt damit die enge Optik der demographischen Bevölkerungsentwicklung.

Die neue Betrachtungsweise ist gesamtgesellschaftlich integriert und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Reproduktive Gesundheit beinhaltet alle Aspekte des menschlichen Wohlergehens. 

"Reproductive health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity, in all matters related to the reproductive health system (...)." (ICPD, Programme of action, 7.2)

Was ist reproduktive Gesundheit

In Kairo wurde reproduktive Gesundheit im Sinne eines Rechtes festgehalten. Jeder Mensch hat ein Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit als Teil der Menschenrechte.

Reproduktive Gesundheit beinhaltet:

  • Aufklärung und Informationen über Körper, Schwangerschaft, Geburt sowie Sexualität und Verhütungsmittel sowie eine sichere Abtreibung, sofern sie legal ist;
  • Freie Wahl und selbstbestimmte Entscheidung über die Anzahl der Kinder, über den Abstand und den Zeitpunkt der Geburten;
  • Ein Angebot an Schwangerschaftsvorsorge und -nachsorge sowie eine gesicherte Betreuung im Fall von Komplikationen. Zugang zu den Dienstleistungen;
  • Betreuung von und Sorge für Neugeborene;
  • Prävention und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten und Infektionen einschliesslich AIDS;
  • Recht auf körperliche Integrität und auf die Freiheit, alle Entscheidungen bezüglich sexueller Gesundheit ohne Zwang, Gewalt und Druck treffen zu können.

Doch die Gesundheitssituation ist in vielen Ländern des Südens in einem katastrophalen Zustand. Die Gesundheitsprobleme sind vielzählig. Ungewollte Schwangerschaften und daraus resultierende Abtreibungen, Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, sexuell übertragbare Krankheiten, HIV/AIDS, sexuelle Gewalt und gesundheitsschädigende Praktiken, wie die weibliche Beschneidung, sind Faktoren, die die Gesundheit von Frauen und Mädchen gefährden und zu einer hohen Sterblichkeit führen.

Integrierende Betrachtungsweise

Reproduktive und sexuelle Gesundheit für alle kann nicht alleine mit dem Angebot des Gesundheitssektors verwirklicht werden. Es braucht in Zukunft eine enge Zusammenarbeit mit anderen Bereichen, wie Bildung, Rechtswesen, Wasser und Landwirtschaft.
Ein grosser Teil der Bevölkerung wird über das Angebot der bestehenden Gesundheitseinrichtungen gar nicht erreicht. Insbesondere die Bedürfnisse von Jugendlichen, alleinstehenden oder unverheirateten Frauen und Männern werden durch das bestehende Angebot zu wenig berücksichtigt. Gefordert sind deshalb neue und innovative Konzepte und Ansätze.

Fokus Mann

Reproduktive Gesundheitsprogramme sind traditionell auf Frauen fokussiert und haben die Rolle des Mannes vernachlässigt. Doch ohne deren Einbezug kann das Ziel nicht erreicht werden. Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, Prävention von ungewollten Schwangerschaften, Verhinderung geschlechtspezifischer Gewalt und Garantie einer sicheren Geburt - hierbei spielen Männer eine Schlüsselrolle. Im Rahmen der reproduktiven Gesundheit wurden Männer jedoch bis anhin kaum als Zielgruppe wahrgenommen. Männer benötigen selbst Zugang zu Wissen und Informationen über reproduktive Gesundheit und Gesundheitsversorgung, denn sie entscheiden mit, wenn es um die Kinderzahl, sexuelle Beziehungen und um die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen geht.

"Programs can improve access to services by making existing reproductive health services more receptive to men: welcoming men - both as clients and supportive partners or fathers - retraining staff, providing information to men, hiring and training male counsellors (...).And by providing information and referrals, reproductive health programs can raise men's awareness of the negative consequences of gender-based violence." (PAI report card 2001)

Fokus Teenager

Junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren gebären weltweit jedes Jahr etwa 17 Millionen Kinder. Teenageschwangerschaften haben häufig langfristige Folgen für die Gesundheit und das Leben der jungen Mutter. Viele verlassen frühzeitig die Schule.

Die HIV-Infektionsrate bei Jugendlichen ist extrem hoch und der Zugang zu Familienplanung häufig verbaut, da er nur verheirateten Frauen zugestanden wird. Eine Million Mädchen sind Opfer von gesundheitschädigenden Praktiken, die das Risiko einer AIDS-Infektion stark erhöhen.

"Information and services should be made available to adolescent to help them understand their sexuality and protect themselves from unwanted pregnancies, sexually transmitted diseases, and subsequent risk of infertility. This should be combined with the education of young men to respect women's self-determination and to share responsibility with woman in matters of sexuality and reproduction." (ICPD, Programme of action, 7.41)

 

Dieses Dossier wird betreut von:
Maya Natarajan, IAMANEH Schweiz

 

Abkommen und Publikationen

The Cairo Conference Homepage
ICPD-Dokumente zum Kairoer Aktionsprogramm sowie weiterführende Publikationen und Unterlagen.
 
Weltbevölkerungsbericht 1997
Das Recht zu wählen: Reproduktive Rechte und reproduktive Gesundheit.
 
Earth Negociations Bulletin Vol 3 No. 8
Zusammenfassung der Diskussionen von der Kairoer Konferenz.

Schlüsselressourcen

WHO: Sexual and Reproductive Health
"In spite of the sound arguments - based on public health concerns, human rights, equity, and social justice - calling for a strong focus on sexual and reproductive health, in many countries the concept of comprehensive reproductive health care is still insufficiently understood and applied". (Paul Van Look, Director, WHO/RHR)

WHO: Global strategy on reproductive health

WHO: Reproductive Health Resources

UN Bejing Declaration and Platform for Action

WHO Reproductive Health Library

WHO: Transforming Health Systems. Gender and Rights in Reproductive Health
A Training Manual for Health Managers (pdf, 2001)
 
Sexual and reproductive health
Ein Eldis Resource Guide

Reproductive Health Outlook (RHO)

GTZ: Förderung der reproduktiven Gesundheit

Organisationen

WomenWatch
Mit Links zu anderen Organisationen.

United Nations Population Fund (UNFPA)
Beschreibung und Informationen der UNO-Entwicklungsprogramme und -aktivitäten.

International Planned Parenthood Federation IPPF