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Dossier
20.06.2011
KFPE

Forschung in Partnerschaft

Gruppe
Umwelt und Entwicklung sind stark verflochten. Für die Lösung der weltweit drängenden Herausforderungen kann und muss wissenschaftliche Forschung einen wesentlichen Beitrag leisten.

Entwicklungsfaktor Forschung

Forschung stellt einen bedeutenden Teil der Entwicklung dar. Die Zerstörung der Umwelt manifestiert sich oft am ausgeprägtesten in zahlreichen «Entwicklungsländern». Ihnen kommt also bei der Bewältigung dieser globalen Probleme auf lokaler Ebene in vielen Bereichen eine Schlüsselrolle zu. – Viele der globalen Prozesse werden allerdings auch massgeblich durch die Industrieländer verursacht und beeinflusst, wie beispielsweise die Zerstörung der tropischen Regenwälder oder auch die beschleunigte Klimaerwärmung.

Rund 80% aller Ressourcen für Forschung und Entwicklung werden in den OECD-Ländern ausgegeben. Indien, China und die industrialisierten Staaten Ostasiens machen weitere 15% aus. Dies bedeutet, den restlichen Ländern stehen nur noch 4-5% der weltweiten Forschungsausgaben zur Verfügung. Nach Berechnungen der OECD liegen die durchschnittlichen pro Kopf Ausgaben für Forschung in den Industrieländern rund 500x höher als in Entwicklungsländern....

Das weltweite Forschungspotential muss geographisch gleichmässiger verteilt werden, d.h. Forschungskapazitäten im «Süden» sind massiv zu verstärken, wie bereits am Erdgipfel in Rio vereinbart worden war. Zur weltweit erforderlichen Forschung reichen die «westlichen» Wissenschafterinnen und Wissenschafter allein schon zahlenmässig nicht aus. Überdies sind sie von ihrer Herkunft her für die wirksame Tätigkeit in «Entwicklungsländern» nicht die best-geeignetsten. Entwicklungsländer sollen zudem ebenfalls die Möglichkeit erhalten, ihre Probleme, Herausforderungen und Visionen selber zu erforschen und zu entwickeln.
Um Forschungskapazitäten in ökonomisch benachteiligten Ländern aufzubauen und zu festigen, schlägt die Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern, KFPE (www.kfpe.ch) vor, langfristige und entwicklungsorientierte Forschungspartnerschaften mit diesen Ländern einzugehen.

Forschungspartnerschaften

Forschungspartnerschaften mit Entwicklungs- oder Schwellenländern werden heute noch zu wenig gefördert und verdienen auch international zu wenig Anerkennung. Diese müssen sich vor allem an den Bedürfnissen und Prioritäten dieser Länder und den lokalen Gemeinschaften orientieren.
Grundgedanke der Forschungspartnerschaft ist, Probleme beidseitigen Interesses gemeinsam anzugehen und in gemeinsamer Verantwortung zu lösen. Damit soll zweierlei bewirkt werden: Weg von der ursprünglichen Geber-Empfänger-Mentalität zu kommen und auch weg von der herkömmlichen punktuellen «Forschungszusammenarbeit». Diese wird zumeist vom Norden bestimmt; ihr Hauptinteresse gilt der Forschung an sich oder der Förderung der Wirtschaft. Die Auswirkungen dieser herkömmlichen «Forschungszusammenarbeit» auf die generelle Entwicklung des Gastlandes oder die Förderung dessen Forschungskapazitäten sind in der Regel kaum Gegenstand weiterer Überlegungen. In den von der KFPE anvisierten Forschungspartnerschaften sind aber gerade die beiden letztgenannten Punkte von grosser Bedeutung. Solche Partnerschaften sollen langfristig und interdisziplinär angelegt sein, traditionelles und informelles Wissen einbeziehen und eine regionale Ausstrahlung haben. Sie sollen dauerhaft und nachhaltig an die Entwicklung des «Südens» beitragen und helfen, den Lebensstandard der ärmeren Bevölkerungen anzuheben. Davon profitieren letztlich alle – auch die Industrieländer. Die KFPE hat 1998 einen Leitfaden (www.kfpe.ch/about/guidelines.html) in fünf Sprachen herausgegeben, in dem elf Prinzipien aufgelistet sind, wie faire Partnerschaften durchzuführen sind. Der Leitfaden kann kostenlos bei der KFPE bezogen werden.

Nationaler Forschungsschwerpunkt Nord-Süd

Forschungspartnerschaften zur Linderung von Syndromen des Globalen Wandels

Das schweizerische Parlament hat im Sommer 2001 den Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) Nord-Süd bewilligt. Mehrere schweizerische Institutionen mit langjähriger Erfahrung in der Forschungszusammenarbeit – als Netz von der KFPE getragen – erforschen darin die Auswirkungen der weltweiten Veränderungen und mögliche Strategien zu deren Milderung. Zusammen mit lokalen Partnern erarbeiten sie nach Bedarf naturwissenschaftliche, medizinische und / oder sozial- und geisteswissen-schaftliche Lösungsansätze.

In Entwicklungs- und Transitionsländern treten ökonomische, ökologische oder soziale Kernprobleme wie Bodenverarmung, Erosion, fehlender Zugang zu sauberem Wasser, mangelhafte Gesundheits- und Bildungssysteme, grassierende Armut, Konflikte um Ressourcen, Verstädterung oder Versagen der Politik oft gehäuft auf. Der NFS Nord-Süd fokussiert seine Tätigkeit in den folgenden drei Kontexten:

  • Semiaride Gebiete am Rande von Wüsten (Resourcenmangel, Bevölkerungsdruck, Wassermangel etc.),
  • schnell wachsende Städte und ihre Umgebung (Gesundheitsaspekte, sanitäre Anlagen, Wasser, landwirtschaftliche Produktion etc.) und
  • Bergregionen und ihr Umland (Überschwemmung, Migrationen, Ressourcenmangel etc.).


Die Teilprojekte enthalten einen Grundlagenteil, der längerfristig geplant wird, sowie einen Nachfrageteil, der vor allem durch die Partnerinstitutionen im Süden oder Osten erarbeitet werden soll – dies ist unabdingbar in ernst gemeinten Forschungspartnerschaften und erlaubt ein flexibleres Eingehen auf Anliegen der Partner mit kurzfristigen Aktionen:

Hauptziele des Programms sind:

  • Fortschritte zu schaffen in disziplinärer, inter- und transdisziplinärer Forschung (transdisziplinär bedeutet: unter Einbezug der lokalen Bevölkerung und deren reichem Wissen), die ein nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen ermöglichen;
  • Forschende in Partnerländern beim Aufbau und der Stärkung von Institutionen zu unterstützen und
  • lokalen Gemeinschaften bei ihren Anstrengungen beizustehen, die zur Linderung von Syndromen in ihrer Region führen sollen – und die ihnen helfen sollen, langfristig solche Syndrome selber zu bewältigen.


Der NFS Nord-Süd ist in acht Regionen auf drei Kontinenten und in der Schweiz tätig. Ein Weiterbildungsprogramm für Graduierte wird etabliert um sicherzustellen, dass die Konzepte, Methoden und Theorien unter den Forschenden ausgetauscht und weitergegeben werden können. Weitere Aufgaben sind der Wissenstransfer, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, das Datenbankmanagement sowie die Kommunikation.

Finanziert wird der NFS Nord-Süd durch den Schweizerischen Nationalfonds und die DEZA (der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit). Letztere finanziert die aktive Beteiligung von Partnerinstitutionen in Drittwelt- und Transitionsländern und deren Aus- und Weiterbildung.

Ausführlichere Informationen finden Sie dazu auch unter: www.north-south.unibe.ch

 

Links

Forschungspartnerschaften Schweiz
Forschungsaktivitäten schweizerischer Institutionen mit langjähriger Erfahrung in Forschungspartnerschaften.

Nationaler Forschungsschwerpunkt Nord-Süd
Link zur Homepage des nationalen Forschungsschwerpunkt Nord-Süd.

Institutionen und Netzwerke international
Nationale und internationale Institutionen und Netzwerke, die Forschung in Entwicklungs- und Transitionsländer unterstützen.

ELDIS, ein Informationssystem
Ein umfangreiches elektronisches Informationssystem für die Bereiche Entwicklung und Umwelt.

Science and Development Network
Neuigkeiten, Ansichten, Informationen zu Wissenschaft und Technologie für Entwicklungsländer. Eine Webpage, die von 'Natur' und 'Science' – zwei renommierten Wissenschaftsmagazin – und der Third World Academy of Sciences konzipiert wurde.