Forschung in Partnerschaft
Inhaltsverzeichnis
Entwicklungsfaktor Forschung
Forschung stellt einen bedeutenden Teil der Entwicklung dar. Die
Zerstörung der Umwelt manifestiert sich oft am ausgeprägtesten in
zahlreichen «Entwicklungsländern». Ihnen kommt also bei der Bewältigung
dieser globalen Probleme auf lokaler Ebene in vielen Bereichen eine
Schlüsselrolle zu. – Viele der globalen Prozesse werden allerdings auch
massgeblich durch die Industrieländer verursacht und beeinflusst, wie
beispielsweise die Zerstörung der tropischen Regenwälder oder auch die
beschleunigte Klimaerwärmung.
Rund 80% aller Ressourcen für Forschung und Entwicklung werden in den
OECD-Ländern ausgegeben. Indien, China und die industrialisierten
Staaten Ostasiens machen weitere 15% aus. Dies bedeutet, den restlichen
Ländern stehen nur noch 4-5% der weltweiten Forschungsausgaben zur
Verfügung. Nach Berechnungen der OECD liegen die durchschnittlichen pro
Kopf Ausgaben für Forschung in den Industrieländern rund 500x höher als
in Entwicklungsländern....
Das weltweite Forschungspotential muss geographisch gleichmässiger
verteilt werden, d.h. Forschungskapazitäten im «Süden» sind massiv zu
verstärken, wie bereits am Erdgipfel in Rio vereinbart worden war. Zur
weltweit erforderlichen Forschung reichen die «westlichen»
Wissenschafterinnen und Wissenschafter allein schon zahlenmässig nicht
aus. Überdies sind sie von ihrer Herkunft her für die wirksame
Tätigkeit in «Entwicklungsländern» nicht die best-geeignetsten.
Entwicklungsländer sollen zudem ebenfalls die Möglichkeit erhalten,
ihre Probleme, Herausforderungen und Visionen selber zu erforschen und
zu entwickeln.
Um Forschungskapazitäten in ökonomisch benachteiligten Ländern
aufzubauen und zu festigen, schlägt die Kommission für
Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern, KFPE (www.kfpe.ch)
vor, langfristige und entwicklungsorientierte Forschungspartnerschaften
mit diesen Ländern einzugehen.
Forschungspartnerschaften
Forschungspartnerschaften mit Entwicklungs- oder Schwellenländern
werden heute noch zu wenig gefördert und verdienen auch international
zu wenig Anerkennung. Diese müssen sich vor allem an den Bedürfnissen und Prioritäten
dieser Länder und den lokalen Gemeinschaften orientieren.
Grundgedanke der Forschungspartnerschaft ist, Probleme beidseitigen
Interesses gemeinsam anzugehen und in gemeinsamer Verantwortung zu
lösen. Damit soll zweierlei bewirkt werden: Weg von der ursprünglichen
Geber-Empfänger-Mentalität zu kommen und auch weg von der herkömmlichen
punktuellen «Forschungszusammenarbeit». Diese wird zumeist vom Norden
bestimmt; ihr Hauptinteresse gilt der Forschung an sich oder der
Förderung der Wirtschaft. Die Auswirkungen dieser herkömmlichen
«Forschungszusammenarbeit» auf die generelle Entwicklung des Gastlandes
oder die Förderung dessen Forschungskapazitäten sind in der Regel kaum
Gegenstand weiterer Überlegungen. In den von der KFPE anvisierten
Forschungspartnerschaften sind aber gerade die beiden letztgenannten
Punkte von grosser Bedeutung. Solche Partnerschaften sollen langfristig
und interdisziplinär angelegt sein, traditionelles und informelles
Wissen einbeziehen und eine regionale Ausstrahlung haben. Sie sollen
dauerhaft und nachhaltig an die Entwicklung des «Südens» beitragen und
helfen, den Lebensstandard der ärmeren Bevölkerungen anzuheben. Davon
profitieren letztlich alle – auch die Industrieländer. Die KFPE hat
1998 einen Leitfaden (www.kfpe.ch/about/guidelines.html) in fünf
Sprachen herausgegeben, in dem elf Prinzipien aufgelistet sind, wie
faire Partnerschaften durchzuführen sind. Der Leitfaden kann kostenlos
bei der KFPE bezogen werden.
Nationaler Forschungsschwerpunkt Nord-Süd
Forschungspartnerschaften zur Linderung von Syndromen des Globalen Wandels
Das schweizerische Parlament hat im Sommer 2001 den Nationalen
Forschungsschwerpunkt (NFS) Nord-Süd bewilligt. Mehrere schweizerische
Institutionen mit langjähriger Erfahrung in der
Forschungszusammenarbeit – als Netz von der KFPE getragen – erforschen
darin die Auswirkungen der weltweiten Veränderungen und mögliche
Strategien zu deren Milderung. Zusammen mit lokalen Partnern erarbeiten
sie nach Bedarf naturwissenschaftliche, medizinische und / oder sozial-
und geisteswissen-schaftliche Lösungsansätze.
In Entwicklungs- und Transitionsländern treten ökonomische, ökologische
oder soziale Kernprobleme wie Bodenverarmung, Erosion, fehlender Zugang
zu sauberem Wasser, mangelhafte Gesundheits- und Bildungssysteme,
grassierende Armut, Konflikte um Ressourcen, Verstädterung oder
Versagen der Politik oft gehäuft auf. Der NFS Nord-Süd fokussiert seine
Tätigkeit in den folgenden drei Kontexten:
- Semiaride Gebiete am Rande von Wüsten (Resourcenmangel, Bevölkerungsdruck, Wassermangel etc.),
- schnell wachsende Städte und ihre Umgebung (Gesundheitsaspekte, sanitäre Anlagen, Wasser, landwirtschaftliche Produktion etc.) und
- Bergregionen und ihr Umland (Überschwemmung, Migrationen, Ressourcenmangel etc.).
Die Teilprojekte enthalten einen Grundlagenteil, der längerfristig
geplant wird, sowie einen Nachfrageteil, der vor allem durch die
Partnerinstitutionen im Süden oder Osten erarbeitet werden soll – dies
ist unabdingbar in ernst gemeinten Forschungspartnerschaften und
erlaubt ein flexibleres Eingehen auf Anliegen der Partner mit
kurzfristigen Aktionen:
Hauptziele des Programms sind:
- Fortschritte zu schaffen in disziplinärer, inter- und transdisziplinärer Forschung (transdisziplinär bedeutet: unter Einbezug der lokalen Bevölkerung und deren reichem Wissen), die ein nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen ermöglichen;
- Forschende in Partnerländern beim Aufbau und der Stärkung von Institutionen zu unterstützen und
- lokalen Gemeinschaften bei ihren Anstrengungen beizustehen, die zur Linderung von Syndromen in ihrer Region führen sollen – und die ihnen helfen sollen, langfristig solche Syndrome selber zu bewältigen.
Der NFS Nord-Süd ist in acht Regionen auf drei Kontinenten und in der
Schweiz tätig. Ein Weiterbildungsprogramm für Graduierte wird
etabliert um sicherzustellen, dass die Konzepte, Methoden und Theorien
unter den Forschenden ausgetauscht und weitergegeben werden können.
Weitere Aufgaben sind der Wissenstransfer, die Gleichberechtigung
zwischen den Geschlechtern, das Datenbankmanagement sowie die
Kommunikation.
Finanziert wird der NFS Nord-Süd durch den Schweizerischen
Nationalfonds und die DEZA (der Direktion für Entwicklung und
Zusammenarbeit). Letztere finanziert die aktive Beteiligung von
Partnerinstitutionen in Drittwelt- und Transitionsländern und deren
Aus- und Weiterbildung.
Ausführlichere Informationen finden Sie dazu auch unter: www.north-south.unibe.ch
Links
Forschungspartnerschaften Schweiz
Forschungsaktivitäten schweizerischer Institutionen mit langjähriger Erfahrung in Forschungspartnerschaften.
Nationaler Forschungsschwerpunkt Nord-Süd
Link zur Homepage des nationalen Forschungsschwerpunkt Nord-Süd.
Institutionen und Netzwerke international
Nationale und internationale Institutionen und Netzwerke, die Forschung in Entwicklungs- und Transitionsländer unterstützen.
ELDIS, ein Informationssystem
Ein umfangreiches elektronisches Informationssystem für die Bereiche Entwicklung und Umwelt.
Science and Development Network
Neuigkeiten,
Ansichten, Informationen zu Wissenschaft und Technologie für
Entwicklungsländer. Eine Webpage, die von 'Natur' und 'Science' – zwei
renommierten Wissenschaftsmagazin – und der Third World Academy of
Sciences konzipiert wurde.

