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12.10.2011
ask Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien

Bergbau in Kolumbien - zweifelhafter Nutzen und schwere Menschenrechtsverletzungen

Mine in Cerrejon
Mine in Cerrejon
Zwei Problemfelder des Bergbaus in Kolumbien: die Situation der Arbeits- und Gewerkschaftsrechte in den Kohlenminen in Cesar und die ungelösten Probleme rund um die Umsiedlung von Dorfgemeinschaften, die den Minen im Tagbau weichen müssen.

mehr: www.askonline.ch

 

Bedeutung und Auswirkungen des Bergbaus in Kolumbien

Kolumbien ist reich an natürlichen Ressourcen und fossilen Energieträgern. Der Bergbausektor insgesamt ist einer der wichtigsten Devisenbringer, Kohle hat die herausragendste Stellung.

Kohle

Kolumbien hat mit 6,2 Mia. Tonnen die grössten Kohlenreserven Lateinamerikas. 90% der kolumbianischen Produktion wird exportiert, mehr als 50% stammen allein von El Cerrejón. Seit 2001 steht Kohle an 2. Stelle bei den Exporten. Bis zum Jahr 2010 strebt Kolumbien den Export von 110 Mio. Tonnen jährlich an, womit das Land zum 3. oder 4. Exporteur aufsteigen würde.
Die Karibikküste hat 84% der Reserven, davon die Guajira 55% und Cesar 30%. Die Kohlenmine El Cerrejón exportiert etwa 33 Mio. Tonnen pro Jahr, Glencore/Xstrata im Departement Cesar gegen 15 Millionen Tonnen. Im Catatumbo im Departement Norte de Santander sowie im Mittleren Magdalena – Tal gibt es weitere gigantische Kohlenreserven, deren Abbau in den nächsten Jahren in Angriff genommen wird. 

Firmen

El Cerrejón-Mine ist im Besitz eines Konsortiums von BHP Billiton, Anglo American und Xstrata, Drummond (Mine Pribenov und El Descanso) und Xstrata/Glencore (Carbones de la Jagua, Calenturitas) betreiben ebenso wie die kanadische Coalcorp (Mine La Francia), Cementos Argos und Americoal Minen im Departement Cesar. Rio Tinto hat ebenfalls Interessen an neu entdeckten Vorkommen. Kohle ist der zweitwichtigste Devisenbringer und bezahlte im Jahr 2004 334 Mia. Pesos Royalties (etwa 150 Mio. USD). Ungefähr 2/3 der Exporte gehen nach Europa, 1/3 in die USA.

mehr dazu:
http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Präsenz der Schweiz im kolumbianischen Bergbausektor

Glencore in La Jagua
Glencore in La Jagua

Die Schweizer Unternehmen Xstrata und Glencore sind in Kolumbien aktiv. Sie besitzen mehrere Kohlenminen in den im Nordosten gelegenen Departementen Cesar und Guajira. Ebenso scheinen beide Unternehmen Interesse an Metallminen (Kupfer, Gold etc.) zu haben, haben aber keine produzierenden Minen. Glencore war vorübergehend auch an einer staatlichen Erdölraffinerie beteiligt. Glencore/Xstrata gehörten in den letzten Jahren zu den grössten ausländischen Investoren in Kolumbien. Ebenfalls vertreten ist der Zementkonzern Holcim, der für die Zementherstellung Kalk, Kies und Sand abbaut.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Arbeits- und Gewerkschaftsrechte

Glencore
Glencore

Die Arbeits- und Gewerkschaftsrechte in den Kohlenminen werden häufig nicht eingehalten, z.T. sogar massiv verletzt. Glencore beispielsweise zeichnete sich in Kolumbien nach Angaben der lokalen Gewerkschaft durch eine extrem gewerkschaftsfeindliche Politik aus, in dem sie versucht, die Bildung von Gewerkschaften zu verhindern, sei dies durch Drohungen im Vorfeld, sei dies durch willkürliche Entlassungen nach der Gründung einer neuen Gewerkschaftssektion. Dadurch konnte die Gewerkschaft Sintramienergetica lediglich im Hafen und in der Mine Carbones de la Jagua Sektionen aufbauen, in den Minen Calenturitas und CMU wurde dies durch Repression, Drohungen und willkürliche Entlassungen von Arbeitern, die der Gewerkschaft beitreten wollen, verhindert. Glencore belohnt nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeiter mit grosszügigeren Lohnerhöhungen und Bonuszahlungen, während sie die Gesamtarbeitsvertragsverhandlungen fast immer verzögert, eine Verhandlungseinigung verhindert und Urteile der Arbeitschiedsgerichte juristisch weiter zieht. Dies führte beispielsweise im Hafen in Santa Marta dazu, dass sich ein Arbeitskonflikt, ausgehend von einer Kollektivverhandlung seit dem Frühjahr 2006 bis heute hinzieht.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Zerstörte Landschaften, minimale regionale und soziale Entwicklung

Deterioro via principal
Deterioro via principal

Der Kohlenabbau im Tagbau hat unweigerlich Umweltauswirkungen und beeinträchtigt andere wirtschaftliche Aktivitäten. Der Landverbrauch der Minen ist enorm, sowohl für die Kohlenförderung selbst als auch für die Abraumhalden und die Transportinfrastruktur. In gewissen Dörfern ist dadurch das Landwirtschaftsland knapp geworden, es gibt manchmal kaum mehr genügend Land, um Leute umzusiedeln. Die Unternehmen sind gehalten, die Minen nach dem Abbau zu renaturieren. Trotzdem stellt der Tagbergbau einen enormen Eingriff in die Landschaft dar. Im Falle der Kohlenminen von Xstrata-Prodeco in La Jagua hält das Umweltministerium fest, dass aus einer lieblichen Landschaft mit sanften Hügeln eine Landschaft mit schroffen Abhängen, engen Flussläufen und tiefen Mulden werde. Es fordert die Minen Carbones de La Jagua, CMU und Carbones El Tesoro auf, mehr Abraummaterial von externen Halden wieder zurück in den Pit zu führen, um Hügel und Mulden sanfter zu gestalten.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Unbefriedigte Grundbedürfnisse

Unbefriedigte Grundbedürfnisse

Die Departemente Guajira und Cesar sowie verschiedene Gemeinden erhalten grosse Geldsummen aus den Royalties, Abgeltung der Firmen für die Erlaubnis, staatliche Bodenschätze abzubauen, die die Budgets von anderen sonst vergleichbaren Gemeinden bei weitem übersteigen.

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Umwelt und Gesundheit

Umwelt und Gesundheit

Die Umweltbelastung und damit verbunden gesundheitliche Beeinträchtigungen der angrenzenden Bevölkerung sind ein weiteres grosses Problem der Kohlenminen. Die Staubbelastung ist bei den Kohlenminen eines der Hauptprobleme, verursacht sowohl durch den Abbau der Kohle als auch durch den Transport, auf Schiene und Strasse. Einerseits feiner Kohlenstaub, andererseits durch ungeteerte Strassen normaler Staub. In La Jagua und verschiedenen Weilern liegen die Staubbelastung und der Feinstaub PM10 deutlich über den Grenzwerten. Trotz einiger Massnahmen, die von den Unternehmen ergriffen wurden, ist die Umwelt- und Luftverschmutzung angestiegen. Auch bei Cerrejón wird über die Verschmutzung durch Staub geklagt. Aber ebenso beklagen sich die Bewohner über unangenehme Gerüche z.B. nach Schwefel und über Rauch durch die Schwelbrände in den Flössen.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Umsiedlungen

Cerrejon
Cerrejon

Der Bergbau im Tagbau hat immer wieder Umsiedlungen von Siedlungen und Bauernhöfen zur Folge. Sowohl Cerrejón als auch die Minen von Drummond und Xstrata in Cesar müssen mehrere Gemeinschaften umsiedeln. Es gibt in Kolumbien keine für unfreiwillige Umsiedlungen gültige Richtlinien. Im Idealfall wird heutzutage auf internationale Richtlinien der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank zurück gegriffen. Kolumbien hat einige Erfahrungen mit Umsiedlungen nach Naturkatastrophen gemacht, ebenso auf Grund der internen Vertreibungen durch den Gewaltkonflikt. Viele dieser Umsiedlungsprojekte haben aber grosse Mängel aufgewiesen. Ein Sektor mit einer recht langen Erfahrung und relativ klaren Richtlinien ist die Wasser- und Energiewirtschaft, da die Staudämme grosse Umsiedlungen nötig machen.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Was tut die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien?

Die Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien macht die Wirtschaft und Friedensförderung am Beispiel Kolumbiens zu einem Thema der Schweizer Politik, fordert Kohärenz ein und sucht mit den betroffenen Schweizer Firmen den Dialog über die „Friedenstauglichkeit“ ihrer Aktivitäten in Kolumbien.

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http://www.askonline.ch/themen/Wirtschaft_MR/BergbauinKolumbien_August_2009.pdf

 

Der lange Kampf der Embera gegen die Zerstörung des heiligen Berges

Militärische Übergriffe zu Gunsten von Bergbauprojekten – Erfolg der Indigenen vor Gericht

Die in Denver (USA) domizilierte Firma Muriel Mining Corporation hat seit Ende 2008 umfangreiche Explorationsarbeiten im geologischen Block Mandé Norte durchgeführt und dabei eine massive Militärpräsenz nach sich gezogen, die das Leben der Emberas massiv beeinträchtigen, ohne diese korrekt und umfassend konsultiert zu haben. Am 30. Januar 2010 wurden zwei Emberas bei einer Bombardierung schwer verletzt. Nun hat das Verfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil das Projekt gestoppt, bis eine korrekte Konsultation durchgeführt worden sei. Glencore, die im selben Gebiet ebenfalls Konzessionen besitzt, führte ebenfalls Helikopterflüge zu Explorationszwecken durch, ohne die betroffene Bevölkerung genügend zu informieren. 

mehr dazu:
http://www.askonline.ch/monatsberichte/Monatsbericht_4_2010.pdf

 

 

 

Links zu Bergbau:

Quelle: Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien