Der Anbau und Handel von Coca ist einer der wichtigsten Devisenbringer Boliviens. In den subtropischen Yungas, Hochburg des Coca-Anbaus, ist das Leben geprägt vom Gegensatz zwischen den reichen Coca-Bauern, die ihre Ernte an internationale Drogenkartelle verkaufen und den armen Kleinbauern, die mit dem Anbau von Zitrusfrüchten, Bananen, Yucca, Kaffee und Kakao nur knapp über die Runden kommen.
Einer von ihnen ist der 50-jährige Kleinbauer und Familienvater German Amba. Sein Weiler Santa Fé hat sich zur Zone „Zero Coca“ erklärt. Die dafür versprochen finanziell Unterstützung durch den Staat haben die Bauern bisher allerdings nicht erhalten.
Dennoch will German Amba nicht zum Coca-Anbau zurückkehren. Zusammen mit 30 anderen Bauern aus Santa Fé hat er deshalb die Cooperative Meprosor gegründet und eine Alternativkultur ausfindig gemacht, die fast ebensoviel einbringen könnte wie der Coca-Handel: Das Süsskraut Stevia. 300 Mal süsser als Zucker, kalorienfrei und absolut natürlich hat Stevia das Potential, den Markt der künstlichen Süssstoffe neu aufzumischen.
Stevia im Strudel des Weltmarktes
Die Forschungen bei den grossen Zuckerverbrauchern (Süssgetränkehersteller, Schokolademultis) laufen derzeit auch auf Hochtouren. Bislang ist Stevia in den USA und Europa als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatz allerdings nicht zugelassen (erlaubt sind gewisse isolierte Inhaltsstoffe). In der Schweiz wurde Ende August 2008 die bisher an die EU angelehnte Praxis gelockert. Mitverantwortlich für die Restriktionen sind die Zucker-Lobby sowie Erzeuger synthetischer Süssstoffe, welche mit Studien angeblich gesundheitsschädigende Folgen der Stevia belegten.
Auch für German Amba und seine Kollegen ist der zukünftige Verkauf über den regulären Weltmarkt angesichts grosser Preisschwankungen und Preisdumping kein gangbarer Weg. Deshalb setzen die Bauern von Santa Fé mit der fianziellen Untersützung von Brot für alle auf die biologische Produktion von Stevia, die sich über faire Handelswege nach Europa und in die USA liefern wollen. Nur so ist der Anbau des Süsskrauts für die bolivianischen Kleinbauern eine echte Alternative.
Brot für alle unterstützt rund 350 Entwicklungsprojekte und -programme in Asien, Lateinamerika und Afrika. Die Projekte leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Projekte unterstützen >>

