Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz (MMS) begrüsst den Entscheid der WHO-Exekutive, der Weltgesundheits- versammlung im Mai einen Kodex zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitspersonal vorzulegen. Damit wird ein Rahmen gegen das unkontrollierte Abwerben von Spital- und Heimpersonal aus armen Ländern gesetzt.
Nicht nur in der Schweiz sondern weltweit ist das Gesundheitspersonal knapp. Besonders betroffen sind Entwicklungsländer, deren Gesundheitsversorgung bereits schwach ist. Der Mangel an Gesundheitspersonal bedroht die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele, zu welchen sich die Schweiz bekannt hat und für welche sie sich auch engagiert.
Die Rolle der Schweiz
Das schweizerische Gesundheitssystem profitiert von einem möglichst freien Personalmarkt. Fehler in der Ausbildungspolitik und wenig attraktive Anstellungsbedingungen fürs Gesundheitspersonal konnten bislang dadurch aufgefangen werden, dass der schweizerische Gesundheitsmarkt ein potenter und attraktiver Mitbewerber im europäischen Umfeld ist. Der europäische Markt ist aber unterdessen selbst global. Die Folge: Weil die Schweiz Personal in Deutschland rekrutiert, rekrutiert Deutschland in Polen, Polen in der Ukraine und so weiter.
Diebstahlschutz für die Ärmsten
Weil am Ende dieses globalen Spiels die Schwächsten ohne Ärzte und Krankenpflegerinnen da stehen, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Kodex entwickelt, der einen Rahmen für die internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal setzt. Unter anderem soll die Rekrutierung in Entwicklungsländern mit Mechanismen versehen werden, welche die dortigen Gesundheitssysteme durch technische und/oder finanzielle Hilfe stärken.
Zögerliche Haltung der Schweiz
Trotz einem „grundsätzlichen Verständnis“ für das Anliegen hat sich die Schweiz bisher kritisch zum Entwurf des Kodex geäussert. Das federführende Bundesamt für Gesundheit hat sich insbesondere dagegen verwahrt, dass alle Länder ihre Fachleute so weit als möglich selber ausbilden, statt sie im Ausland abzuwerben. Auch die Bestimmungen zur Kompensation und technischen Hilfe wurden kritisiert. Nun haben diese Punkte in der WHO-Exekutive aber eine mehrheitliche Zustimmung gefunden.
Es stellt sich angesichts der Entschiedenheit der WHO die Frage, ob die Schweiz ihre skeptische Haltung überwindet, oder ob sie sich gar als Vorreiterin einer Ablehnungsfront von Ländern profilieren will, die von der unkontrollierten internationalen Migration von Gesundheitspersonal profitieren.
Für das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz bedeutet der Kodex einen kleinen, aber wichtigen Schritt zur Durchsetzung des Rechts auf Gesundheit auch der Menschen in Entwicklungsländern. MMS engagiert sich dafür, dass die Schweiz – im Sinne ihrer eigenen Gesundheitsaussenpolitik – den Kodex an der kommenden Weltgesundheitsversammlung mitträgt.
Nachricht
22.01.2010
Medicus Mundi Schweiz

