Verteilung von Bettnetzen zur Malaria-Prävention
Verteilung von Bettnetzen zur Malaria-Prävention

Im Kampf gegen die tödliche Tropenkrankheit braucht es neue Strategien. Sie setzen auf eine biologische Bekämpfung des Überträgers, Information und Prävention sowie strategische Planung der Massnahmen. Zwingende Voraussetzung für den Erfolg ist der Einbezug der betroffenen Bevölkerung.

Der Erreger (Plasmodium) der Malaria wird von der Anopheles-Mücke übertragen. Um diese Mücken zu bekämpfen wird heute in manchen Entwicklungsländern wieder vermehrt das hochproblematische Pestizid DDT versprüht. Eine internationale Partnerschaft bestehend aus der Schweizer Stiftung Biovision, dem Kenianischen Institut für Insektenforschung icipe und dem Amerikanischen Millennium Institute fordert deshalb die Umsetzung einer neuen Strategie zur umweltverträglichen Kontrolle der Malaria und einen Ausstieg aus der Verwendung von DDT.

Es geht auch ohne DDT

Mit Massnahmen, die den lokalen Bedingungen angepasst sind und zusammen mit der betroffenen Bevölkerung umgesetzt werden, ist die Malaria auch ohne DDT kontrollierbar. Der neue Ansatz heisst IVM: Integriertes Vektor Management. „Mit IVM können wir die Betroffenen schützen und die Krankheit ohne Gefahren für Mensch und Natur und ohne immense Folgekosten besiegen”, ist Prof. Christian Borgemeister, Leiter des icipe in Nairobi überzeugt.

Erfolge in Kenia

Von international anerkannten Fachleuten begleitete IVM Projekte in Kenia liefern eindrückliche Belege für die Wirksamkeit der neuen Strategie. Sowohl im städtischen Malindi an der Küste wie auch im hoch gelegenen ländlichen Nyabondo konnten die Malariafälle damit innert kurzer Zeit um über 50 Prozent vermindert werden. Die Massnahmen konzentrieren sich auf die Beseitigung der Brutplätze der Mücken in Siedlungsnähe und − wo dies nötig ist − auf die biologische Kontrolle der Mückenlarven. Zusätzlich wird die Bevölkerung informiert, wie sie sich mit Bettnetzen vor den Stichen schützen kann. „Entscheidend für den Erfolg waren ein sehr enger Einbezug der betroffenen Menschen und der Aufbau lokaler Strukturen, die eine langfristige Anwendung der Präventionsmassnahmen sicherstellen,“ erklärt Dr. Charles Mbogo, Projektleiter des IVM Projektes in Malindi.

DDT – Gift oder Lebensretter?
Aufgrund der bekannt gewordenen Gesundheits- und Umweltrisiken, die vom Pestizid DDT ausgehen, erliess die Internationale Gemeinschaft ein weltweites DDT-Verbot. Dieses trat 2004 mit der Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe in Kraft. Einzig für die Bekämpfung der Malaria bleibt DDT zugelassen, so lange keine wirksamen und kostengünstigen Alternativen zur Verfügung stehen. Gestützt auf diesen Passus nahm in den vergangenen Jahren der Einsatz von DDT weltweit wieder zu. Die Ergebnisse sind jedoch bescheiden. „Ich kenne keine Daten, die zeigen würden, dass Länder, die DDT einsetzen weniger Malariafälle haben, als Länder, welche die Krankheit mit alternativen Methoden bekämpfen“, sagt Hans Rudolf Herren, Insektenforscher und Träger des Welternährungspreises. „Im Gegenteil: Die Insekten entwickeln Resistenzen gegen DDT, das deshalb langfristig seine Wirkung verliert.“

Weitere Informationen:
Biovision (2009). DDT in Afrika (PDF).
Van den Berg, H. (2009). Global Status of DDT and Its Alternatives.
The Pine River Statement: Human Health Consequences of DDT
Dar es Salaam Declaration on Alternatives to DDT

Quelle: Biovision - Stiftung für ökologische Entwicklung