Erdöl- oder Goldvorkommen nützen der Bevölkerung armer Länder oft wenig. In Guinea-Bissau besteht indessen berechtigte Hoffnung, dass der „Fluch der Ressourcen“ zum Segen werden könnte. Die neue Regierung gelobte an einer Konferenz zu „Extraktiven Ressourcen“ jedenfalls Transparenz und versprach, die Einnahmen aus der bevorstehenden Förderung von Phosphat, Bauxit und Öl zur nachhaltigen Entwicklung des kleinen westafrikanischen Landes zu verwenden. Dafür wird sich auch SWISSAID einsetzen, das in Guinea-Bissau seit über 20 Jahren präsent ist.
Was für ein Unterschied ein paar Jahre doch bringen können. 2005 organisierte SWISSAID in Bissau ein Treffen der Zivilgesellschaft über die Bodenschätze des Landes. Damals wurde die Konferenz von der Regierung boykottiert – mit dem Argument, was mit den Öl-, Bauxit- und Phosphatvorkommen geschehe, gehe die Bevölkerung nichts an. Die neue Regierung von Ministerpräsident Carlos Gomes Junior, seit den politischen Turbulenzen vor einem Jahr am Ruder, sieht dies anders. So lud sie jüngst selbst zu einer Konferenz über „Extraktive Ressourcen und nachhaltige Entwicklung“ ein – nicht zuletzt nach einem Treffen zwischen SWISSAID-Vertretern und dem Premier im letzten Herbst.
Auch Energieminister Cardoso zeigte sich während der Konferenz vom 24. bis 26. März in Bissau gegenüber SWISSAID sehr offen für das Argument, die Ausbeutung der Bodenschätze und die Verwendung der Erlöse müsse transparent sein und der nachhaltigen Entwicklung dienen. Den Beitritt des Landes zur Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) bezeichnete er als wünschenswert. Damit besteht Hoffnung, dass mit der neuen Regierung auch im Bereich der Bodenschätze eine neue, positive Dynamik entstanden ist.
Das ist auch nötig, denn das bitter arme Land ist auf neue Devisenquellen angewiesen, um die Entwicklung voranzutreiben. Während die Ölförderung - die Vorkommen liegen alle im Meeresgrund vor der Küste - noch Zukunftsmusik ist, sind die Projekte zur Ausbeutung von Bauxit (im Süden des Landes) und Phosphat (im Norden) schon recht weit gediehen. So hofft die Firma GB Minerals, noch im April die Verträge für den Abbau der Phosphatvorkommen in der Nähe der Stadt Farim unterzeichnen zu können. Phosphat wird vor allem in der Düngerproduktion verwendet. Die Vorkommen sind begrenzt und bisher gibt es keine chemischen Ersatzstoffe; entsprechend begehrt ist das Mineral.
Im Fördergebiet hat GB Minerals zu Explorationszwecken eine riesige Grube ausgehoben, die nun mit Grundwasser gefüllt ist. Die Analysen des Materials sind viel versprechend. Wenn jedoch die Ausbeutung im Tagbau richtig losgeht, wird das Dorf Saliquénhé weichen müssen. Die Bewohner sind bereit zu gehen, falls sie korrekt entschädigt und beim Bau neuer Häuser unterstützt werden. Genau dafür wird sich auch SWISSAID einsetzen, das zusammen mit lokalen Partnern das Geschehen um die Phosphatausbeutung genau verfolgt. „Die Bevölkerung des Dorfes muss vom Phosphatabbau profitieren“, sagt SWISSAID-Koordinator Alfredo Handem, „indem sich ihre Lebensbedingungen an einem neuen Ort stark verbessern.“
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08.04.2010
SWISSAID

