Heute jährt sich zum achten Mal der Tag, an dem die ersten Gefangenen auf den US-Stützpunkt Guantánmo Bay auf Kuba gebracht wurden. Trotz des Versprechens von US-Präsident Barack Obama, das Lager bis Januar 2010 zu schliessen, müssen dort weiterhin knapp 200 Gefangene ausharren. Darunter sind auch zwei Uiguren, die für eine humanitäre Aufnahme in der Schweiz vorgesehen sind. Amnesty International erwartet, dass der Bundesrat auf das Angebot des Kantons Jura eingeht und den uigurischen Brüdern ein Leben in Sicherheit und Würde in der Schweiz ermöglicht.
Guantánamo wird binnen eines Jahres geschlossen. Dies verkündete US-Präsident Barack Obama kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2009. Mitte November 2009 aber räumte er ein, dass er sein Versprechen nicht werde halten können. Zurzeit befinden sich noch knapp 200 Gefangene im Lager, von denen rund 40 nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können, weil ihnen dort Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.
Seit Obamas Amtsantritt wurden 40 Gefangene ins Ausland gebracht. In Europa haben bereits Frankreich, Portugal, Belgien und Ungarn entlassene Gefangene aufgenommen. Weitere Länder haben diesen Schritt angekündigt, darunter Spanien, Irland, Litauen und die Schweiz. Der Bundesrat erklärte im Dezember 2009, dass der Kanton Genf bereit sei, einen usbekischen Häftling aufzunehmen.
Weiterhin erschwert das Stigma des Terrorismus die humanitäre Aufnahme der zur Freilassung vorgesehen Gefangenen. Amnesty International bedauert, dass mit zweifelhaften Informationen der Anschein erweckt wird, zahlreiche freigelassene Guantánamo-Häftlinge hätten sich bewaffneten Gruppen angeschlossen. Die US-Behörden haben bisher keine überzeugenden Beweise für diese Aussagen vorgebracht. «In vielen Fällen erwiesen sich die entsprechenden Anschuldigungen als nicht begründet», erklärte Daniel Graf, Mediensprecher von Amnesty International. « In den Listen wurden auch Gefangene aufgeführt, die sich lediglich kritisch über Guantánamo geäussert haben, etwa an Veranstaltungen von Amnesty International.»

