Burkaverbots-Debatte spielt dem Fundamentalismus in die Hände

Die Debatte um ein Burkaverbot wiederholt das Muster der Minarett-Initiative: man sprach vom Minarett und meinte den Islam, nun spricht man von der Burka und meint den Islam. Die Debatte klärt jedoch nicht die Hintergründe von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder kultureller und religiöser Herkunft.

In der aktuellen Burkaverbots-Debatte werden, ähnlich wie in der Minarettsverbots-Debatte, in manipulativer Art und Weise der Islam, die Scharia, die Stellung der Frau, die Themen Zwangsheirat und sexuelle Verstümmelung sowie die Integrationsprobleme jugendlicher Muslime und Musliminnen in einen Topf geworfen und unheilvoll vermischt. Aber Ganzkörperschleier, Verhüllungen und Hüllen sagen nichts aus über den Status, die Rechte und die Situation von Frauen, die sie tragen. Diese können nur im Kontext interpretiert werden. Dazu trägt die aktuelle Debatte wenig bei, weil die Medien mit Vorliebe Personen mit extremen Positionen zu Wort kommen lassen, sei es auf der Seite der Schweizer Politik, sei es auf jener der Muslimischen VertreterInnen. So schaukeln sich fundamentalistischen Positionen gegenseitig hoch und es bleibt wenig Raum für differenzierte Zwischentöne.

Die feministische Friedensorganisation cfd (Christlicher Friedensdienst) begrüsst jede offene und vorurteilsfreie Auseinandersetzung über die Gleichstellung der Geschlechter und über die Integration der MigrantInnen. Das Ziel ist eine gleichberechtigte Gesellschaft für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Ein mögliches Burkaverbot macht diese gesellschaftliche Vision nicht wahrscheinlicher. Stattdessen werden neue Ausschlusskategorien und neue Illegalisierungen produziert indem ein neues «Sondergesetz» für Musliminnen geschaffen werden soll. Deshalb lehnt der cfd ein Burkaverbot ab wie das mehrere Organisationen, unter anderen der Interreligiöse Think-Tank und die Frauen der Grünen, der SP, der FDP und der CSP ebenfalls tun.

Stellungnahme des Interreligiösen Think-Tanks zur politischen Debatte um ein Burkaverbot in der Schweiz als PDF-Datei
Cécile Bühlmann, cfd-Geschäftsleiterin, schreibt:

Quelle: cfd - Die feministische Friedensorganisation