Die Regierung Ruandas hat große Flächen im Zentrum der Hauptstadt Kigali zum Abriss freigegeben, um internationale Investoren ins Land zu locken. Zehntausende Bewohner der Armensiedlungen seien enteignet und vertrieben worden, berichtet das Ökumenische Netz Zentralafrika (ÖNZ), ein Zusammenschluss kirchlicher Hilfswerke in Deutschland, in einer neuen Studie. Viele der Vertriebenen seien nicht ausreichend oder gar nicht entschädigt worden.
In seiner Studie "Stadterneuerung und Umsiedlungspolitik in Kigali / Ruanda" zeigt das Ökumenische Netz Zentralafrika, wie die ruandische Regierung in den letzten Jahren versucht hat, Ruandas Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit von der Subsistenzlandwirtschaft auf eine Exportökonomie umzustellen. Die Hauptstadt solle eine Handels- und Dienstleistungsmetropole für ganz Ostafrika werden, so das ÖNZ.
Die Modernisierung der Hauptstadt steht in diesem Zusammenhang. Bisherige Einwohner mussten der Studie zufolge ihre Häuser in der Innenstadt räumen, um Platz für neue "Business Districts" zu schaffen. Betroffen seien vor allem Bewohner der ärmsten Stadtviertel. Sie erhielten nur in seltenen Fällen Ausweichquartiere, die gezahlten Entschädigungen reichten nicht aus, um Ersatzhäuser zu bauen oder zu mieten.
"Viele Familien haben im Zuge dieser Umsiedlungspolitik ihre letzte Habe verloren und sind nun von Arbeitslosigkeit, Armut oder Obdachlosigkeit bedroht. Gerade die Ärmsten leiden unter der Vertreibung aus ihren gewachsenen sozialen Zusammenhängen in den alten Stadtvierteln Kigalis am meisten", sagte Ilona Auer-Frege, Koordinatorin des ÖNZ.
In der 25-seitigen Studie "Stadterneuerung und Umsiedlungspolitik in Kigali / Ruanda" hat das ÖNZ die Zusammenhänge und die Stimmen der Betroffenen zusammengestellt und analysiert.
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14.05.2010
epo.de

