"Brot für die Welt" sieht nach den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien wenig Anlass auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage zu hoffen. "Es steht zu befürchten, dass der neue kolumbianische Präsident, Juan Manuel Santos, die Linie des alten Präsidenten Uribe weiter verfolgen wird und sich an der äußerst prekären Menschenrechtslage in dem südamerikanischen Land wenig verändern wird", erklärte Michael Windfuhr, Menschenrechts-Experte des evangelischen Hilfswerks, am Dienstag in Stuttgart.
In Kolumbien werden Brot für die Welt zufolge täglich rund 1.000 Menschen von ihrem Land vertrieben. Politische Morde, Folter und Vergewaltigung seien an der Tagesordnung. "Die Straflosigkeit stellt ein gravierendes Problem dar. Fast alle Morde und Menschenrechtsverletzungen werden nicht aufgeklärt, Täter müssen deshalb kaum eine Verfolgung befürchten", so Windfuhr.
Auch der Schutz von Menschenrechtsaktivisten sei ungenügend, beklagte der Menschenrechtsexperte von "Brot für die Welt". Alleine im Mai seien drei Aktivisten in Kolumbien erschossen worden, mehr als 100 von ihnen hätten Morddrohungen erhalten. Zu einem der größten Skandale in der jüngeren Geschichte Kolumbiens sei es Ende 2008 gekommen, als bekannt wurde, dass die Armee systematisch an der Erschießung von unschuldigen Zivilisten beteiligt gewesen sei. Ihre Leichen seien der Öffentlichkeit dann als Erfolge im Rebellenkampf präsentiert worden. Inzwischen ermittele die Justiz in über 1.400 Fällen.
"Der bewaffnete Konflikt und die prekäre Menschenrechtssituation in Kolumbien müssen ein Ende haben", forderte Windfuhr. Für Brot für die Welt und seine Partnerorganisationen sei es deshalb besonders wichtig, dass in Kolumbien nun unter dem neuen Präsidenten Santos ein systematischer Ansatz zur Wahrung der Menschenrechte erkennbar werde. Die chronische Straflosigkeit und die Gewalt gegen Menschrechtsaktivisten müssten beendet werden. Ein weiterer wichtiger Schritt sei dabei, auch die Arbeit des kolumbianischen Geheimdienstes besser zu überwachen. Der Geheimdienst DAS sei seit einigen Jahren in einen Skandal verwickelt. Dabei seien Oppositionspolitiker, Journalisten und Menschenrechtler systematisch abgehört und bedroht worden. Erst Anfang des Jahres habe die Staatsanwaltschaft dazu umfangreiche Beweismittel sichergestellt.
Brot für die Welt unterstützt seit über 30 Jahren Projekte in Kolumbien. Neben der Unterstützung von Menschenrechtsverteidigern gehört hierzu auch die Arbeit der Fundación Creciendo Unidos ("Stiftung Gemeinsam Wachsen"). FCU wurde 1986 gegründet, um arbeitenden Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Heute unterhält die Stiftung neben Einrichtungen für Nachhilfeunterricht, Musik, Tanz und Fotografie auch eine Schule für Kinder, die von den staatlichen Schulen ausgeschlossen wurden.
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23.06.2010
epo.de

